Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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Der Termin der Bürgermeisterwahl, der in älterer Zeit auf äen Pfingst- 
sonnabend fiel, verschob sich im 16. und 17. Jahrhundert in die Weihnachts 
zeit, so daß die Wahl uom Christsonnabend allmählich auf den 27. und später 
auf den letzten Dezember hinausrückte. Tlachdem der Erwählte am Vor 
mittag von einem der Fenster der großen Ratsstube aus der Bürgerschaft 
vorgestellt worden war, versammelten sich am Abend die beiden Ratskörper 
schaften, alte und neue, samt den Gemeindebürgermeistern, den Mitgliedern 
der Regierung und den Geistlichen der Stadt zu einem festlichen Trunk, zu 
welchem der Landgraf aus der Hofkellerei zwei Ohm Weines verehrte. Mit 
der Zeit, feit dem 17. Jahrhundert, ward aus diesem Trunk ein großer Schmaus 
und schließlich eine Schlemmerei, die den Stadtsäckel nicht wenig belastete. 
Das war die Folge der ehrenamtlichen Verwaltung, für die man sich durch 
Essen und Trinken auf Stadtkosten entschädigte. 
Wir nannten ferner die Gemeindebürgermeister, anderwärts auch Ge 
meindeworthalter oder nach ihrer Zahl Vierer, Sechser geheißen. Jn ihnen 
repräsentiert sich die Gemeinde dem Rat gegenüber, als deren Tribunen sie 
seit dem 14. Jahrhundert namentlich die Aufsicht und Kontrolle über den 
städtischen Haushalt, das gesamte Rechnungswesen und nicht zuletzt über den 
Gemeindebesitz, die Almende, haben. Jhre Zahl stieg in Cassel von zwei bis 
auf sechs; sie haben Sitz und Stimme im Rat, und das Amt galt als Vorstufe 
für diesen. Einer der Stadtkämmerer war regelmäßig Gemeindebürgermeister. 
Ein nur in wenigen Städten des nördlichen Hessens vorkommendes 
und außer für Cassel nur noch für Wolfhagen belegtes bürgerliches Amt war 
das der Bauermeister. Cassel bestand, wie wir schon wissen, aus vier Bauer- 
schaften, ehemals gesonderten Gemeinwesen, an deren Spitze jene gestanden 
hatten. Aber mit der Einführung der Stadtverfassung war ihr Amt herab 
gedrückt worden; ihre alte Bedeutung zeigt sich nur noch darin, daß sie der 
Ahnende ihrer Gemeinde vorstanden und hier (wie das hiesige Stadteide 
buch lehrt) eine Art von Hutepolizei ausübten, wie sie denn auch später bei 
der Einteilung der Feldflur ein Wort mitzureden hatten. Das alles kenn 
zeichnet sie als die ehemaligen Vorsteher des „bürdings“ und damit als eine 
noch in der alten Dorfverfassung begründete Obrigkeit, worauf auch die Hal 
tung des städtischen Zuchtviehes bei der Herde, die ihnen oblag, hinweist. 
Während sie aber im Beginne des 16. Jahrhunderts noch geloben mußten, 
daß sie der Gemeinde wollten treulich helfen fürsein, ist später davon keine 
Rede mehr; sie find sogar in Stadtsachen zu gewissen Botendiensten verpflichtet. 
Wenn es notwendig erschien, den Willen der Bürgerschaft in besonderen 
Fällen kennen zu lernen, so wurde diese durch die Bürgerglocke vor dem Rat- 
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