Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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Lehrern hatte er nicht viel Glück. Der Pumanus M. Joh. Eagonychus, zu 
deutsch Hasenklo, wird vom Landgrafen wegen seines mürrischen Wesens 
und seiner Weinseligkeit ernstlich getadelt. Der sehr tüchtige Jodocus Jung- 
mann, seit 1585 Rektor der von ihm reorganisierten hiesigen Stadtschule und 
Verfasser verschiedener Lehrbücher, wurde in dem furchtbaren Pestjahre 1597 
mit seiner ganzen Familie innerhalb weniger Wochen dahingerafft, der Frau 
und 8 Kindern, den 16 jährigen Sohn Justus allein ausgenommen, der sich 
studierenshalber in Strasburg aufhielt. Hoch zeigt ein großes, wenn auch 
wenig kunstvolles Ölbild, ehedem in der Brüderkirche selbst, dann in der 
Sakristei und jetzt im Altstädter Pfarrhaus aufgehangen, den Rektor und 
seinen Bruder, den hiesigen Bürgermeister Hieronymus Jungmann, mit ihrer 
toten und überlebenden nachkommenschaft, das die letztere zum Andenken der 
Eltern und der 1601 und 1603 verstorbenen Großeltern hatte malen und auf 
hängen lassen. Die Familie stammte aus Flandern, von wo Johannes Jung- 
mann vor der katholischen Inquisition entwichen und um 1550 in Hessen ein 
gewandert war. Hier in Cassel 1553 als Bürger und Tuchhändler aufgenommen, 
kam er zu bedeutendem Wohlstand. Sein mehrgenannter Sohn Jodocus kaufte 
dann 1590 das bis dahin der Familie von Scholey gehörige schöne Haus Brüder 
straße Hr. 10, Ecke der Kettengasse, das über 200 Jahre im Besitze der Jung- 
mannschen Deszendenz verblieb. 1 ) 
Hachdem die 1595 von Moritz begründete Hofschule vier Jahre später 
unter tätiger Mitwirkung seines Rates Georg von Meisenbug in das Collegium 
illustre Mauritianum umgewandelt und am 3. Oktober 1599 eine neue Ver- 
fassung mit bedeutend erweitertem Lehrplan erhalten hatte, zerfiel die An 
stalt in ein Collegium publicum, eine Art Akademie, und die Schola aulica, 
die Hofschule im engeren Sinne. Seitdem finden sich manche tüchtige Ge- 
lehrte daran, unter ihnen sogar, wenn auch nur zwei Monate lang, einer der 
Begründer der neueren Pädagogik, Wolfgang Ratichius, den zu halten dem 
Landgrafen leider nicht gelang, wie denn das Collegium, dem Moritz im Jahre 
1618 noch einmal eine Reform hatte zuteil werden lassen, auch den ersten 
Stürmen des großen Krieges erlag und ein kümmerliches Dasein fristete, bis 
es 1633 mit der neu gegründeten Universität vereinigt wurde. 
Wenn der die gesamte Bildung seiner Zeit umfassende und wider 
spiegelnde Geist des Landgrafen nicht mehr aus dem Felde der Poesie 
herauszuholen vermochte, so lag das an der allgemeinen Xlnfruchtbar- 
1) Stölzel: Ein Stück Casseler Häuser- und Familiengeschichte (Z. H. 6., Bd. 14, 
5. 94 ff.)
	        

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