Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

127 
g0<3>00<s>00<s>00®>00<3>00<3z>00<32>00<s>00cs>00<3s>00c2>00<2£>00<s>00<22>00<»2>00<sz>0g 
Federlesens in die Kotenkammer oder in den Tlarrenkasten gesteckt. So hiefjen 
ihre privilegierten Gefängnisse. 
Für den Unterhalt der großen Gemeinde hatte das Schloß feine eigenen 
Betriebe: die Hofküchen, nämlich die Herren- und die Kitterküche; ein eigenes 
Schlachthaus am Graben nach der Aue zu, eine Brauerei, Schreinerei, Schneide 
rei und dem Schloß gegenüber die Herren schmiede am Marställerplatz. Die 
Dienerschaft wurde in riesigen Speisesälen gespeist, wo wiederum der Hof 
marschall das Regiment führte, daher noch heute die Marschallstafel als die 
zweiten Grades. 
Daß solche Art der Hofhaltung äußerst kostspielig war, liegt auf der Hand, 
zumal wenn man erwägt, was alles im Hofdienst stand, vom Kanzler bis zum 
Guten- und Grundelfänger, und hier fein Brot suchte. Wenn darum Wil 
helm IV. schaltet und waltet wie ein echter Hausvater; wenn er sich um die 
Bewirtschaftung der großen Domänen ebenso bekümmerte wie um die Früchte, 
die der Hofapotheker einmachen, oder um die schwarzen Kirschen, mit denen 
der Hofkellermeister den roten Breitenauer verschneiden soll, so betrachtete 
er sich eben als den Gutsherrn, an dessen Tisch sich viele Hunderte sättigen 
wollten. 
Auch die Jagd hatte für ihn neben dem Vergnügen, der Zerstreuung und 
körperlichen Erholung, die das Weidwerk gewährte, wesentlich noch wirt 
schaftliche Bedeutung. 6r wie sein Vater Philipp waren beide gewaltige Jäger; 
ja bei ersterem ging die Jagdleidenschaft so weit, daß sie ihn nicht selten Recht 
und Billigkeit aus den Augen setzen ließ, wo sie in Frage kam. Der angerichtete 
Wildschaden, für den nichts vergütet wurde — denn Philipp sagte, er lasse der 
Bauern Rinder ja auch in seine Wälder gehen — war so groß, daß ums Jahr 
1540 in den Dörfern an der Söhre und dem Kaufunger Wald von den Rott 
ländern kein Zehnte gegeben wurde, weil sie des Wildbrets halber wüste 
lagen. Und doch richteten die Jagden, die die Tandgrafen im Reinhards 
wald, im Seulingswald und sonst veranstalteten, unter dem Wild enorme 
Verheerungen an. 
Bei Hofe werden also die Jagdabenteuer auf Bären- und Sauhatzen, 
wie auf der Hirsch- und Rotwitd-Pürsche, der Reiherbeize und dem Vogelfang 
den Hauptgesprächsstoff geliefert haben, und dementsprechend erfreuten sich die 
Hunde, die Stöber und Winde hoher Wertschätzung. Zu den Bären- und Sau 
jagden wurden sie gepanzert, und wenn einer gefallen, wurde er laut beklagt. 
Sie hatten überall Zutritt; sogar in den Kirchen liefen sie beim Gottesdienst 
umher. Doch nur, solange sie jung und brauchbar waren. Den alten Hunden 
erging es wie den alten Hofdienern: sie waren überall im Wege, wurden ge- 
©0<S>OOGS>OOCa£DOO<32>OOCS2>00<22>OÜ<S>OOcSDCO<S>OOC2£>00<^)00<3S>OOcS>00<3S>OOC22>00<*2>0©
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.