Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

126 
8 
8 
6 
8 
6 
8 
6 
8 
6 
8 
6 
8 
8 
©OCT>O0<32>00cS>00<2S>00C22>0O<22>00C*2)0O<S2>0O<^0C<S>O0C22>(}0CS>0OCS>O0<32>OO<^>CO<32>0® 
der Hochzeit auf — ihm beläßt. — Eine Tleigungsheirat aber war es gewiß, 
als Maria, die Tochter im „Koten Böwen“ am Markt dahier, den Martin 
Krain aus Fronhausen zur Ehe nahm, der ihr nichts mitbrachte als sich, 
seinen Harnisch und sein Koß, der also wohl ein reisiger Kriegsknecht war, 
ein junger frischer Bursch. Ist ihr gleichwohl lieb und wert gewesen, hat auch 
sich und die Seinen ehrbarlich zu halten gewußt, sagt sie als betagte Frau 
in ihrem letzten Willen, den sie 1570, nachdem sie in anderer Ehe sieben 
Kinder geboren, errichtet hat, in Erinnerung an den jungen Gesellen, der 
ihr schon nach zwei Jahren entrissen ward, vielleicht im Felde vor dem Feind 
erschlagen. War es doch nichts Seltenes, daß der Mann als Landsknecht aus 
zog, draußen Geld und Gut zu erwerben, da das Kriegshandwerk einem 
jeden anderen gleich geachtet wurde. 
So war unser sandsmann Wilhelm Kirchhof, der treffliche Erzähler, 
der Verfasser des lUendunmuth, dem wir so viele kulturgeschichtlich wichtige 
Berichte über das Beben in Hessen und in Cassel verdanken, lange Jahre als 
Kriegsmann in Frankreich und sonst umhergezogen, bis er auf dem Schlosse 
zu Spangenberg als Burggraf die wohlverdiente Kühe fand. Ob er Geld und 
Gut dabei erworben, sagt er nicht. Andere dagegen berichten es, wie z. B. 
der 1576 dahier verstorbene Wilhelm Spede, der 1553 Bürger geworden, ein 
angesehenes Mitglied der Hansegrebengilde und 1565 Gildemeister, auch die 
städtischen Ehrenämter und 1575 das Bürgermeisteramt bekleidete. Er hatte 
in Kriegszügen Geld und Gut erworben und damit seinen Handel begonnen 
und war vermögend genug, das Haus mit dem schönen Kenaissancegiebel zu 
erbauen, das an der Stelle des Hauses Fhilippsplatz 1 stand und leider dieser 
Flatzanlage zum Opfer gefallen ist. 
Jm Mittelpunkt des hiesigen Bebens stand der Hof. Dies will für das 
16. Jahrhundert mehr besagen als für die heutige Zeit; denn damals bildete 
der Hofstaat tatsächlich einen Staat für sich, ein Gemeinwesen mit eigener 
Wirtschaft und eigenem Kecht. Die gesamte Hofdienerschaft unterstand dem 
Hofgericht, an dessen Spitze der Hofmarschall stand; sie konnte nicht vor das 
bürgerliche Forum gezogen werden. Jndem die Hofdiener ihre Speisung im 
Schloß, auch ihre Hofkleidung geliefert erhielten, bildeten sie gewissermaßen 
eine große Familie, was ihren Korpsgeist erhöhen, aber auch zu mannig 
fachem Übermut Veranlassung geben mußte. Sie waren gefürchtet als Kauf 
bolde, wenn sie nachts mit Gesang, mit Schreien und Jauchzen durch die Gassen 
zogen. Wurden sie aber zur Anzeige gebracht, so wurden sie auch ohne viel 
8 
8 
8 
8 
8 
8 
8 
8 
8 
8 
8 
8 
6 
1 8 
) 8 
fo<S>00<S>00<S>00<3S>00<S>00<3>00<S>00<S>00<2£>00<S>00<S>00<3Z>OOCT>00<3S>OOCT>00<S>0®
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.