Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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6rst die Einwanderung der wohlhabenden und geschäftskundigen Wal 
lonen unter Landgraf Noritz kam auch der Architektur des eigentlichen Bürger 
hauses zugute. Aus dieser Zeit stammt jene grotze Anzahl vornehmer Privat- 
bauten mit den hohen steinernen Renaissancegiebeln, die unserer Stadt noch 
heute zur Zierde gereichen, und die in den herrschaftlichen Bauwerken ihre 
Borbilder hatten. Meist dürften sie von dem Steinmetzen und Baumeister 
Wilhelm Bemühen entworfen fein, welchen Landgraf Wilhelm 1577 in feine 
Dienste nahm. Datz daneben noch der alte Holzbau mit übergreifenden Stock 
werken beibehalten wurde, bedarf keines Beweises; ebenso datz solche sich 
nur die reicheren Bürger leisten konnten. 
Der Hausrat in den Stuben bestand aus einem grotzen Kachelofen, der 
von autzen geheizt wurde und oft so geräumig war, datz einer von da (wenn der 
Ofen nicht geheizt war) hineinkriechen konnte, um zu hören, was in der Stube 
vorging. Die Eheleute schliefen in einem Himmelbett. Sofas und Kommoden 
kannte man nicht, selbst nicht im fürstlichen Schlosse; sie werden durch Sessel, 
durch Kasten und Truhen vertreten. An der Wand hing gewöhnlich die Rü 
stung des Hausherrn mit der Hellebarte, die, wenn sie nicht (was auch vorkam) 
als eiserner Bestand des Hauses betrachtet wurde, auf den ältesten Sohn ver 
erbte. Grossen Wert legte man auf den Silberschatz, auf silberne und silber 
vergoldete Becher mit und ohne Deckel, auf Zinn- und Kupferkannen, und 
mancher einfache Bürger hatte in solchen Besätzen ein kleines Bermögen an 
gelegt. 
Führte der Gatte fein junges Weib, nachdem man bei der Berlöbnis 
den Weinkauf getrunken und in Gegenwart der Berwandten und Freunde 
Ehepakten gemacht hatte, in die enge Häuslichkeit, so stellte sich meist bald 
ein reicher Kindersegen ein. Starb der eine der Ehegatten, so schritt der andere 
leicht zur zweiten und dritten Ehe, und die Zunftverfassung war eine glück 
liche Einrichtung für die Witwen, die (wenn sie auch noch so alt waren) einem 
jungen Gesellen leicht zu einer selbständigen und gesicherten Existenz verhalten. 
Freilich sind (in den Testamenten) die Klagen über böswillige Belastung 
solcher alter Damen auch nicht selten. Denn vielfach, ja wir dürfen sagen, 
meist war die Ehe ein Geschäft. Sie war es sicher gewesen, als die bereits in 
vorgerücktem Alter stehende Gertraud Schmidts des ehrbaren Lochhansen 
Sohn Kurt zum Gatten erwählte, der schon wenige Wochen nach dem Kirch 
gang sie in ihrem Haus vorm Ahnaberge trostlos sitzen lietz, also datz sie fremde 
Leute bestellen müssen, sich ihrer in ihrer Schwachheit anzunehmen. Selbst 
seine Kleider und sein Werkzeug hatte er im Stich gelassen, und dies ist auch 
das einzige, was sie in ihrem Testament — sie setzte es bereits 1 % Jahre nach 
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