Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

114 

und kniete zum Gebet vor dem Grabmal seiner Gemahlin Christine nieder, 
die ihn bei seiner Rückkehr nicht mehr begrüßen konnte. Sie war am 15. April 
1549 aus dem Geben geschieden. Kniend verharrte er auch, als die Gemeinde 
tief ergriffen den ambrosianischen Lobgesang anstimmte und bis die Predigt 
geendigt war. Am 17. September fand zur Feier der Rückkehr des Gandes- 
fürsten ein allgemeines Dankfest statt. 
* * 
* 
Eine der ersten Sorgen der beiden Landgrafen, Philipps und seines 
Sohnes Wilhelm, war jetzt nach der Rückkehr des ersteren die Herstellung 
der demolierten Festungswerke (Abb. Tafel 4, 5, 7, 11). Dieselben erhielten 
damals diejenige Gestalt, welche sie bis zu ihrer Schleifung, also über 200 
Jahre, gehabt haben, weshalb wir an einer genaueren Beschreibung nicht 
vorübergehen dürfen. Der Wiederaufbau begann mit dem Jahre 1552. Die 
Bastionen waren die nämlichen wie vor der Schleifung: der Ahnaberg rechts 
vom Ahnaberger Tor mit dem Finkenherd jenseits des Mühlgrabens zur 
Deckung der bereits bei der Anlage der ersten Werke erbauten Mühle; der 
Wilhelmsberg, dem Ausgange der Kastenais gaste gegenüber; der Gießberg, 
so benannt nach dem hier gestandenen alten Gießhaus, hinter dem Heumagazin 
in der Schäfergasse, wo jetzt das Proviantamtsgebäude (das ehemalige Ka 
dettenhaus) steht; der Hohe- oder Totenberg links vom Hohentor, zwischen 
Königs- und Mauerstraße; der Zwehrenberg vor dem Zwehrentore auf der 
Stelle des Museums. Auch wurde feit 1574 eine sechste Bastion über der Kleinen 
Fulda zur Deckung des Schlosses errichtet, der Zuckmantel, mit einer über 
höhenden inneren Bastion, einem sogenannten Kavalier, dem Zwickbart. 
Dieser Berg hatte seine Tage etwa von da, wo jetzt die katholische Kirche am 
Friedrichsplatz steht herwärts zur Kleinen Fulda. Weiter wurde nunmehr 
auch die früher nicht vorhandene Brücke von der Auespitze zum Schloß, die 
jetzige Löwenbrücke, durch ein Rauelin oder Brückenkopf gedeckt. Besonders 
fest endlich war das Neuftädter Tor mit doppelter Bastion, einer inneren und 
äußeren, oder Hauptbastion mit vorgelegter Lünette, das in die Mitte der 
Heustadt verlegt wurde, während das sogenannte Alte Tor am Ausgang der 
Brückenstraße durch ein Außenwerk, eine Art Kaponniere, gesichert wurde, 
ob es gleich durch keine Brücke zugänglich war und nur geöffnet wurde, wenn 
am anderen Reparaturen stattfanden. Diese Bastionen waren durch kase- 
mattierte Wälle verbunden, die gesamten Werke von einem breiten Wasser- 
graben umzogen, welchen auf der Altstädter Seite die Drusel speiste, deren 
Wasser durch Schleusenwerke zurückgestaut wurde, während der Graben der 
Neustadt sich durch einen aus der Gosse hineingeleiteten Wassergang füllte.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.