Der
Rolandsbrunnen
auf
dem
Marktplatz.
Das Aufblühen von Fritzlar im Mittelalter wurde wesentlich begünstigt durch das auf dem Gelände, welches
die Stadt einnimmt, sich reichlich findende Wasser; bildete doch damals ein gutes Trinkwasser, wie
es die dort vorhandenen Quellen geben, fast mehr noch als heute die unerläßliche Vorbedingung für die
Existenz der Stadt. Die in raschem Lauf vorbeiströmende und deshalb als Wasserkraft auszunutzende Eder
war eine angenehme Beigabe, zumal man später imstande war, ihr klares und im Wirtschaftsbetrieb brauch-
bares Wasser in die Stadt heraufzupumpen, und damit den einzigen Monumentalbrunnen, den Fritzlar
besitzt, zu speisen.
Von den Quellen hat keine eine künstlerisch ausgebildete Fassung aufzuweisen, obschon gerade die
am Südabhang des Hochplateaus, auf dem Fritzlar liegt, zutage tretenden sicher es mitveranlaßt haben,
daß hier die Besiedelung rascher erfolgt ist als auf dem gegenüberliegenden Büraberge, den Bonifatius zum
Bischofssitz im Fränkischen Hessen ausgewählt hatte. Wie dort oben jetzt keine Spur von einer Quelle, die
das „opidum Buraberg" mit Wasser versorgt hätte, zu entdecken ist", muß man heute in Fritzlar, nachdem
vor einigen Jahren die einzelnen Häuser von einem in der Nähe der Eckerichwarte gelegenen Reservoir aus
mit Wasser versorgt werden, nach den alten Brunnen und sogar nach jenen Springquellen unterhalb vom
Stift und vom Amberg, dem Steingossenborn, dem Bonifatiusbrunnen und dem Fleckenborn, suchenß;
sie sind übermauert und zugeworfen. Die in der Stadt gelegenen Brunnen, von denen einige, wie der Gund-
ramsborn am oberen Markt, der jordansbrunnen im Judenviertel, der Regilbrunnen beim Regiltor, laufen-
des Wasser hatten, während andere, wie der Burgbrunnen in dem v. Buttlarschen Garten, der Brunnen
im Hofe des Minoritenklosters, der Brunnen im Haus des Domküsters, der curia ubi puteus est,
nur Ziehbrunnen waren, bieten lediglich ein historisches lnteresse. j
Mit Ederwasser wurden durch eine in der Klostermühle eingerichtete „Wasserkunst" gespeist ein jetzt
mit Brettern überdeckter, wasserlos stehender sechseckiger Kumpf mit Steinbrüstung (s. T. 27) vor der Stifts-
kirche auf dem oberen Friedhof und der sog. Rolandsbrunnen auf dem Markt. Er half bis vor kurzem mit
den an dem Becken spielenden Kindern und aus den Rohren füllenden Weibern das malerische Marktbild
beleben, steht jetzt aber trocken und darf nur an Sonn- und Festtagen als Zierbrunnen etwas Wasser spenden
zur Erinnerung an vergangene Zeiten und Verhältnisse.
Wie unser Bild zeigt, ist inmitten eines kreisrunden Kumpfs von etwa 7 m Durchmesser, dessen
Wandung aus verwitterten Steinplatten mit skulpiertem Rankenwerk und Wappen besteht, der steinerne
Brunnenstock aufgerichtet und mit schmiedeeisernem Gestänge an der Brüstung befestigt; er wird bekrönt
von der aus Stein gearbeiteten Figur eines Geharnischten, der in der Linken eine Fahnenlanze hält und mit
der Rechten sich auf einen mit dem altdeutschen Reichsadler bemalten Renaissanceschild stützt. Dieser Ro-
land steht auf einem viereckigen Postament, welches auf den Seitenflächen die auf Tafel 13 abgebildeten Schilde
2 Falckenheiner schreibt (l, S. 23) hierüber: „Der Bornacker bezeichnet noch die Stelle des alten Brunnens
oder vielmehr der Zisterne, aus welcher die Einwohner des ausgegangenen Bürbergs ihr Wasser notdürftig bekamen".
' Den Steingossenborn findet man als schwache Quelle im Keller des Hauses D 77; sie speiste in alter Zeit,
wo sie mehr Wasser hatte, die Bad estube der Bürger (stupa oppidanorum) und trieb auch im weiteren Verlauf, mit noch
andern Wasseradern vereinigt, eine Lohmühle. Eine in jenem Keller vorhandene, kleine romanische Säule stammt vielleicht
noch aus der Badestube. - Der Bonifatiusbrunnen war vor wenigen Jahren noch offen zu sehen, er lieferte das Wasser
zur Badestube der Kapitularen (stupa dominorum), und den Fleckenborn sah man vor Anlage der städtischen
Wasserleitung aus den Felsen unter dem Amberg hervorquellend kräftige Strahlen in ein großes Reservoir senden.
Tafel 161
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