Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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und Rat, der Kämmerer und Zäpfer gegeben werden dürfen. Man wird 
also vorher wohl sehr nach Belieben auf der Stadt Kosten gezecht haben, 
wie man dies auch später trotz des Verbotes fröhlich weiter übte. Daß, 
wenn ein Bürgermeister oder einer des Rats in herrschaftlichen oder Stadt 
geschäften ausreitet, einer der alten Kämmerer zur Begleichung der Reise 
kosten mitreiten soll, läßt ebenfalls tief blicken. 
Die Stadtämter dürfen als Ehrenämter nicht abgelehnt werden. 
Das jährlich zu zahlende Beschoß beruhte auf Selbsteinschätzung, welche 
unter Eid abzugeben war. Ilm dieses auf seiner Höhe zu halten, erläßt unsere 
Ordnung das merkwürdige Verbot der Eigentumsbeschränkung: sie verbietet 
nämlich, Wohnhäuser in der Stadt zu anderem Zwecke anzukaufen, als um 
wieder darin zu wohnen; Scheuern oder Stallungen daraus zu machen ist unter 
sagt. So seltsam dies uns heute anmutet, und so undurchführbar es wohl auf 
die Dauer war, so seltsam war nach heutigem Begriff ein anderer Abusus, den 
die Ordnung beseitigt, und der darin bestand, daß ein Stadtbürger sich durch 
Hergäbe eines Kapitals an die Stadt von allem Beschoß und bürgerlichen 
Basten und Diensten freikaufte und solche damit auf die lieben Mitbürger 
ablud, weshalb z. B. in Darlehen an die Stadt später ausdrücklich bemerkt 
wird, daß die Zinsen in das Beschoß mit einzurechnen find. 
über die Aufbewahrung der Stadtkasse und die Sicherheit der sonstigen 
Wertstücke der Stadt drückt sich unser Statut in einer so gemütlichen Sprache 
aus, daß es wohl am Platze ist, zum Unterschied von der heutigen Ausdrucks 
weise sie als Probe herzusetzen: „Item, heißt es, füllen die zwene kemmerer 
uffem rathuse haben eyne behindern kamern, die füllen sie uff und zu süßen 
und anders niemant, dar inne fal man haben eynen kästen, der sal han vier 
stoße und vier stüßel, und keyner fal des andern stoß können süßen, eynen 
slüßel fal haben der burgermeister vom rade, den andern sal haben eyner der 
gemeyndeburgermeister, wilcheme der radt das beuelhet, die andern zwene 
slüßel sullen haben die zwene kemmerer, und in solichem kästen fal sein der 
von Cassel gelt und was ine gesellet, und das gelt der von Cassel sullen Widder 
uß geben die zwene kemmerer mit rade des burgermeisters und radts an 
stedde, dar man es büche und mit recht hennegibt, und man fal das gelt uff 
dem rathuse in der cammern lassen und nit herabe tragen. — Item in dem 
kästen sal auch behalden fein der von Cassel cleinode, Zinsregister, quitancien, 
dyt kemmeriebuch und alle berechente register, und in demselbigen kästen sal 
sein eyn besundern ingesloßen kestichin, dar inne sal sein behalden der von 
Cassel große Ingesiegel, priuilegia und heymlichkeit, und solich ingesloßen 
besticken sal haben zwene stüßel und zwey stoße, der sal eyns süßen der burger-
	        

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