Full text: Brief von Wilhelm Sander an Viktor Kühne

Zwei Miszellen zur Vertreibung der Brüder Grimm aus Göttingen     317

Macht der Gesetze unterworfen, schont, König geworden, nichts mehr,
dem Sklaven gleich, der seine Ketten gebrochen hat. Die Sprache des
Herzens, die Gewissensbedenken von Männern, die alles zu verlieren hat-
ten, außer der Ehre und einem reinen Gewissen, beantwortet er mit
Gewalt, da gesunde Gründe ihm fehlen. Mutwillig wirft er die sieben
Perlen fort, die nicht nur in Göttingen, sondern auch in seiner Krone
leuchteten. Was kümmern ihn Verdienste, denen anderswo mit Begeiste-
rung gehuldigt wird? Was kümmert es ihn, ob ... elende Mietlinge, die
aus Furcht oder Amtshunger Liebe heucheln, den Platz von wahrhaftigen,
talentvollen Männern einnehmen, wenn nur sein Wile keinen Widerspruch
findet und eine Million Hannoveraner, wie fügsame Lämmer, seinem
Hirtenstabe folgen?"
 In Darmstadt und Leipzig, Hamburg und Kiel hätten zahlreiche Bür-
ger, ihre warme Teilnahme an dem Lose der sieben berühmten Hoch-
schullehrer durch Geldzeichnungen und Verehrungsagressen bewiesen;
die deutlich genug offenbarte Gesinnung der Göttinger Bürgerschaft
habe durch "dragonnades" unterdrückt werden müssen ... Sollte man
in den Niederlanden diesen Bürgermut geringer bewerten? "Hier zulande
bedarf die mannhafte Erklärung der Professoren keiner Rechtfertigung.
Die Nachricht von ihrer Ansetzung ist zweifellos mit innigem Leidwesen
aufgenommen worden. Aber, soll man sie bloß beklagen? Oder ... soll
man die Börsen aufmachen und so gut als möglich für den Unterhalt
ihrer Hausgenossen sorgen? Gibt es kein besseres Mittel, um ihren Verlust
zu ersetzen?" - Der König von Hannover habe, "als een onzinnige", die
Perlen weggeworfen; schon suchten, wie man sage, Berlin, München, Frei-
burg, Heidelberg um die Wette sich den Schatz anzueignen; aber die Ver-
suche könnten leicht scheitern; besser als das Gnadenbrot aus dieser
oder jener Subskription sei die Berufung an eine andere Hochschule, "an-
gesichts der großen Verpflichtungen, welche die gelehrte Welt gegen die
`Sieben` hat".
 Aufgabe der Kuratoren der Niederländ. Hochschulen sei "Wahrneh-
mung von allem, was nach ihrem Urteil zur Aufrechterhaltung und Ver-
mehrung des Nutzens und Ruhmes derjenigen Hochschule, über die sie die
Aufsicht haben, beitragen könnte". (Art. 234, No. 7 van het Koninkl.
Besluit van 2. Aug. 1815 houd. organisatie van het hooger onderwijs in
de Noordelijke Provincien.) "Kann die treffliche Bestimmung bei dieser
ungewöhnlichen Gelegenheit nicht mit Vorteil angewendet werden? Kön-
nen die Niederlande nicht wenigstens einen Teil dieser vortrefflichen
Männer zu sich rufen? Wenigstens diejenigen, deren wissenschaftliche
Tätigkeit in so naher Beziehung zur Geschichte der Niederländ. Sprache
und Literatur steht, daß ihr Name auch hier volkstümlich ist? ... Wenn
von uns ist der Name von Jacob und Wilhelm Grimm unbekannt? Ist
nicht J. Grimms Deutsche Grammatik und sein Reinhard Fuchs weltbe-
rühmt? Hat er nicht wichtige Beiträge zu einer friesischen Sprachlehre
geliefert? ... Sind nicht seine Deutschen Rechtsaltertümer von höchstem
Gewicht? Haben nicht beide Brüder sich verewigt durch ihre Ausgabe der
ältesten deutschen Gedichte ...? Wer hat gründlicher als sie dem Ursprung

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