Full text: Der alte Nettelbeck

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großentheils meine nähern oder entfernter» Landsleute 
waren, und mir sämmtlich viele Liebe und Güte erwiesen. 
Ihrer unbegränzten Gastfreundlichkeit danke ich die ver 
gnügtesten Tage meines Lebens, die unstreitig in diese 
achtmonatliche Dauer meines Aufenthalts in dieser Colonie 
fielen. ' 
Auf unserer Heimfahrt nach Amsterdam hatten wir 
einen der vermögendsten Plantagenbesitzer als Passagier 
an Bord, den die Sehnsucht nach dem vaterländischen 
Himmel zurück nach Europa trieb. Er war ein geborner 
Wiener und in seiner Jugend als gemeiner Soldat nach 
Surinam gerathen. Glück und Thätigkeit hoben ihn hier 
allmälkg zu einer glänzenden Lage empor. 
Sobald wir unter -Segel gegangen waren, ersuchte 
uns Herr Polack, dem Schiffsvolk bekannt zu machen, daß 
er demjenigen, der ihm zuerst ansagen könne: er sehe 
europäische Erde — ein Geschenk von 50 Dukaten zuge 
dacht habe. — Diese Nachricht verbreitete unter Allen 
eine gespannte Aufmerksamkeit; und der Wetteifer, eine 
so leicht zu verdienende Belohnung vor den Uebrigen 
davonzutragen, wuchs mit jedem Tage, der uns unserm 
heimatlichen Erdtheile näher brachte. 
Jetzt wimmelte es schon seit einigen Tagen auf un 
sern Masten und Stangen von Menschen, die mit ange 
strengten Blicken nach Europa ausschaueten. Ich hatte 
mit dem Obersteuermann verabredet, daß ich ihm — so 
bald ich das Land sehen würde, ein Zeichen geben würde, 
wornach er die Richtung des Schiffes nach der Magnet 
nadel bewirken solle. Unbefangen nahm ich meinen Sitz 
im Mastkorbe ein, und deutete nach der von mir zuerst 
erblickten Küste hin. Kaum nahmen meine Nachbarn 
Der alte Nettelbeck. 5
	        

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