Full text: Der alte Nettelbeck

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So gelangten wir zwar für den Augenblick wieder in 
fahrbares Wasser: doch ehe wir noch Zeit hatten, uns 
unsrer Rettung zu freuen, jagte der Sturm unser Fahr 
zeug vollends auf den Strand, und die brandenden Wellen 
zogen auf^s neue im schaumenden Gebrause über das Ver 
deck und unsere Köpfe hinweg. Der Schiffer mit seinen 
beiden Leuten befand sich zufällig auf dem niedriger liegen 
den Hintertheile des Schiffs, wahrend wir drei Passagiere 
uns vorne in der Höhe befanden und den Fockmast um 
klammert hielten, um nicht von den spülenden Wogen mit 
fortgerissen zu werden. Die Angst, mit etwas Hoffnung 
vermischt, machten uns mäuschenstille: jene aber schrien 
und wimmerten, daß die Luft davon erklang, ohne daß 
wir ihnen helfen, oder sie zu uns emporklimmen konnten. 
Die Rächt war ziemlich dunkel; auf dem Lande lag 
Schnee, und rings um uns her schäumte tzie Brandung; 
folglich war alles weiß, und es ließ sich nicht unterscheiden, 
wie nahe oder wie fern wir dem trocknen Ufer sein möch 
ten. Je langer ich indeß meine Aufmerksamkeit hierauf 
spannte, desto gewisser auch däuchte mir's, daß beim Rück 
lauf der Wellen nur ein kleiner Zwischenraum bis zum 
Lande statt finden könne. Ich nahm einen Zeitpunkt wahr, 
wo das Verdeck nach vorne frei vom Wasser war, und 
kroch an dem langen Bugspriet, das ist der vorn am 
Schiff schräge hervorragende Mast, hinan, das nach dem 
Strande hin gerichtet stand, da sah ich nun deutlich, daß 
jedesmal, wenn die See zurücktrat, dgs Ufer kaum eine 
Schiffslänge von uns entfernt blieb. 
Jetzt schien mir unsre Rettung langer nicht unmöglich. 
Ich nahm behutsam den Rückweg zu meinen Gefährten; 
theilte ihnen meine glückliche Entdeckung mit und sprach
	        

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