Full text: Der alte Nettelbeck

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Wilhelm. Das war doch wirklich Hülfe in der 
Noth. 
Nettelb eck. Doch eben so schnell auch ward uns 
diese Freude wieder getrübt durch den Zusatz: Das Schiff 
sei in dem stürmischen Wetter unter den Wind gerathen 
und habe die Rhede nicht mehr gewinnen können, sondern 
sich ostwärts wenden müssen; wobei es der Küste sich zu 
sehr genähert, und nun in Gefahr stehe, entweder zu 
stranden und so den Franzosen in die Hände zu fallen, 
oder doch von ihnen auf Böten geentert zu werden. 
Heinrich. Das wäre doch schrecklich gewesen! 
Nettelb eck. Ich flog-mehr, als ich ging, um 
nach der Münde zu kommen und Rath zu schaffen, daß 
das Schiff gerettet würde. Als ich ankam, war es die 
alte Geschichte! Biel Mundaufsperrens, viel Fragens, viel 
Berathens: und dennoch kein Entschluß! Die Lootsen 
schoben's auf die stürmische See, und wollten's nicht wagen, 
sich näher nach dem Schiffe umzusehen: allein es mochte 
ihnen, wie ich leicht spürte, wohl noch mehr vor den 
Franzosen, als vor dem empörten Elemente, grauen. 
Nun schalt ich, und das nicht wenig! Als abkr nichts bei 
dyi Memmen anschlug, fiel mir kein besser Mittel ein, sie 
zu beschämen, als mich auf der Stelle an vier ihrer Wei 
ber zu wenden, die, nach hiesigem Brauche, des Ruderns 
wohl erfahren und handfest sind. „Trine, und ihr An 
dern!" rief ich — „Wollt ihr mit?" — „Flugs und 
gern, Herr; wenn Er geht!" — Dann packte ich noch 
einen Lootsen am Arm, dem ich noch die meiste Courage 
zutraute, zog ihn, gern oder ungern, in's Boot, und heidi! 
ging es auf den Engländer zu. 
Der alte Nettelbeck. 
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