Volltext: Der alte Nettelbeck

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Nett elbeck. Diesen Ernst zeigten die Franzosen 
ihrerseits sofort auch dadurch, daß sie der Stadt so nahe 
als möglich zwei Schanzen auswarfen, welche uns sehr 
gefährlich zu werden drohten. 
Da begegnete ich unserm Untercommandanten; neben 
ihm ging ein Mann, den ich nicht kannte, und der mit 
dem Schiffe gekommen zu sein schien. Dieser Fremde, ein 
junger rüstiger Mann, von edler Haltung, gefiel mir aus 
den ersten Blick, ohne daß ich wußte und sagen konnte, 
warum? 
Wilhelm. Wer war der Fremde? 
Nettelb eck. Der Untercommandant wandte sich zu 
mir mit den Worten: „ Freuen Sie sich, alter Freund! 
Dieser Herr hier — Major von Gneisenau — ist der 
neue Commandant, den uns der König geschickt hat;" — 
und zu seinem Gaste: „Dies ist der alte Nettelbeck!" 
Ferdinand. Ist dies derselbe Gneisenau, der sich 
im letzten Kriege wieder so sehr ausgezeichnet hat, von 
dem mir mein Bruder oft erzählte? 
Nettelb eck. Derselbe! — Ein freudiges Erschrecken 
fuhr mir durch alle Glieder, mein Herz schlug mir hoch 
im Busen, und die Thränen stürzten mir unaufhaltsam 
aus den alten Augen, und ich rief aus: „Ich bitte Sie 
um Gottes willen! Verlassen Sie uns nicht: wir wollen 
Sie auch nicht verlassen, so lange wir noch einen warmen 
Blutstropfen in uns haben, sollten auch all unsre Hauser 
zu Schutthaufen werden! So denke ich nicht allein, in 
uns Allen lebt nur Ein Sinn und Gedanke: Die Stadt 
darf und soll dem Feinde nicht übergeben werden!" 
Der Commandant tröstete mich: „Nein, Kinder! Ich 
werde euch nicht verlassen. Gott wird uns helfen! " —
	        

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