Volltext: Der alte Nettelbeck

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Julius. Das glaube ich wohl; es muß sehr ange 
nehm gewesen sein, als Führer eines stattlichen Schiffes 
und mit einem anständigen, durch eignes Verdienst erwor 
benen Vermögen in seine Vaterstadt zurückzukehren. 
Nett elbeck. Nach genommenem traulichen Abschiede 
erhielt ich einen guten steifen Wind, der mich schon zu 
Abend des andern Tages in's Angesicht von Memel brachte. 
Hier aber hatte er sich allmälig in einen Sturm verwan 
delt, der es den Lootsen unmöglich machte, zu uns heran 
zu kommen; und der uns gegen das Hafenbollwerk trieb. 
Wir kamen wieder in Lebensgefahr, der ich nur dadurch 
entging, daß ich schnell einen Anker auswarf, an demselben 
das Schiff wendete, den Anker kappte, und so wieder in 
See kam, bis ich des andern Tages in aller Gemächlichkeit 
den Hafen erreichte. 
Julius. Wie wurden denn die aufrührerischen 
Matrosen bestraft? 
Fritz. Es wird ihnen wohl geschenkt worden sein, 
wenn sie sich nachher gebessert haben. 
Nett elbeck. Obwohl nie ein Freund tyrannischer 
Härte in meinem Kommando, und auch hier nicht von 
einer besondern Rachsucht getrieben, glaubte ich es doch 
sowohl mir selbst als dem gemeinen Besten schuldig, meine 
Schiffsmannschaft wegen ihrer angezettelten Meuterei bei 
dem Seegericht in Memel sofort nach meiner Ankunft 
anzuklagen. Die Sache ward untersucht; und der Spruch 
siel dahin aus, daß dem Bootsmann als Rädelsführer 
hundert Stockprügel in zwei Tagen, dem Koch fünfzig, 
und noch einem Matrosen fünfundzwanzig zugezählt wer 
den und sie ihrer verdienten Gage verlustig gehen sollten, 
welche den seefahrenden Armen zuerkannt wurde. Nach 
Der alte Nettelbeck. 15
	        

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