Full text: Der alte Nettelbeck

Für uns Geretteten hingegen stieg alsobald wieder ein 
freundliches Wetter auf, das uns glücklich nach dem 
Sunde führte. 
Fritz. Mir war wieder recht angst. 
Wilhelm. Ich glaubte schon wieder' an einen 
Schiffbruch. 
Nettelb eck. Ich dankte Gott für diese Rettung 5 
und eilte meinem Vater zu. Ich hatte nämlich schon 
von Hamburg ans nach Colberg geschrieben, daß ich auf 
dieser Reise Alles dransetzen würde, mich der Rhede meiner 
Geburtsstadt dergestalt zu nähern, daß ich die Freude 
haben könnte, ihn und die Meinigen im Vorüberfahren 
auf einige Stunden bei mir am Borde zu begrüßen. Ich 
wollte dabei an einer rothen Flagge kenntlich sein, und 
ich bat ihn und alle gute Freunde, mir diesen gehofften 
Genuß nicht zu verderben. 
Zn der That wollten mir auch Wind und Wellen 
so wohl, daß ich, obgleich erst zuin 29. September, mich 
auf der Colbergcr Rhede zeigen konnte. Da es gerade 
ein Sonntag war, so befanden sich nicht bloß meine erbe 
tenen Gäste, sondern auch noch anderweitige zahlreiche 
Bekannte auf der Münde, welchen der Besuch an meinem 
Schiffe eine gelegene Luftparkhie schien, und die mir 
daher, vielleicht hundert Köpfe stark, gern gesehen, an 
meinem Borde zusprachen. Bei dem schönen Wetter 
ging ich gar nicht einmal vor Anker, sondern blieb mit 
Hin- und Herkreuzen unter Segel. Kajüte und Verdeck 
wimmelten von bekannten Gesichtern und fröhlichen Men 
schen, bis endlich Abends Alles wieder zn Lande fuhr; 
und ich darf mit Wahrheit sagen, daß ich diesen Tag 
für einen der vergnügtesten meines ganzen Lebens achte.
	        

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