Full text: Der alte Nettelbeck

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Wilhelm. Gott sei Dank, daß es noch so gut 
abgelaufen ist! 
Heinrich. Es ist doch unverantwortlich, wenn ein 
so sorgloser Mensch so viele andre in solche Gefahr bringt. 
Nettclbeck. Aber auch jetzt noch blieb es für die 
ersten Augenblicke zweifelhaft, ob all unsre Anstrengungen 
uns aus dieser dringenden Gefahr wieder loshelfen wür 
den. Sobald ich jedoch endlich diese glückliche Ueberzeu 
gung gewonnen hatte, schien es mir nöthig, ein Beispiel 
zu statuiren, das auch nach dem Schiffsgesetze vollzogen 
ward. » 
Von jetzt an gab es nichts als widrige Winde, die 
uns volle 14 Tage hindurch nöthigten, in der Nordsee 
umherzukreuzen. Was aber meinen Unmuth noch höher 
steigerte, war der widerspenstige Sinn meines Schiffsvolks, 
der sich, je länger je un gescheuter, offenbarte. Kam es 
zu verdienten Verweisen und Ermahnungen, so hieß es 
immer: „Pah! Wir sind Hamburger, und keine Preußen! 
Wir kennen unsre Gesetze und Rechte; und so muß man 
uns nicht kommen!" — 
Eines Tages verbot ich ihnen das fortwährende 
Kaffeetrinken, da sie an die Arbeit gehen sollten. 
Hui, das hieß in ein Wespennest gestochen! Die 
Kerle schlossen einen dichten Kreis um mich her, und 
schrien wie unsinnig: „Schlagt zu! Schlagt zu!" — doch 
Keiner hatte das Herz, der Erste zu sein. Diese bemerkte 
Unschlüssigkeit gab mir Zeit und Raum, mit der größten 
Behendigkeit mich durch sie hindurch zu winden und mit 
starken Schritten nach meiner Kajüte zu eilen; wiewohl 
alsobald auch der helle Haufe mit einem fürchterlichen 
„Halt auf! Schlag zu! Halt fest!" mich auf dem Fuße
	        

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