Full text: Der alte Nettelbeck

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Ich warf mich hin und her im Bette, und hörte endlich 
den Mann am Ruber in die Worte ausbrechen: „Nein, 
es geht doch toll auf diesem Schiffe her! Kein Licht beim 
Kompaß; kein Steuermann auf dem Deck — Ich weiß 
selbst nicht mehr, in der Finsterniß, welchen Strich ich 
halten soll." 
Es war mir bei diesen angehörten Stoßseufzern, als 
ob mich der Donner rührte. Ich fuhr mit gleichen Füßen 
- aus dem Bette und sprang auf's Verdeck. „Was steuert 
ihr auf dem Kompaß?" fragt' ich den Menschen, und 
erhielt eine confuse Antwort, aus welcher ich jedoch ver 
nahm, daß ihm der Wind das Licht, welches sonst regel 
mäßig neben dem Kompaß in einer Laterne brennt, aus 
gewetzt habe. Daneben spürte ich deullich, daß uns der 
Wind von hinten kam, anstatt daß er höchstens den Back 
bord hätte treffen sollen. — „Wo ist der Steuermann?" 
— Der lag in seiner Koje, schnarchte und wußte von 
seinen Sinnen nicht! 
Fast hätte eine so rasende Unordnung mich auch um 
die meinigen gebracht! Ich machte Lärm unter dem Volk; 
es mußte Licht gebracht werden, und als ich damit den 
Kompaß beleuchtete, ersah ich mit Tobesschrecken, daß das 
Schiff gegen Südosten, gerade auf die Küste zu, anlag. 
Ohne einen Augenblick zu verlieren, griff ich zur Ruder 
pinne, wandte das Schiff durch Süden näch Westen, und 
ließ gleich darauf das Bleiloth auswerfen, welches mehr 
nicht als vier Klafter Tiefe anzeigte. So lag es denn 
am Tage, daß wir nur noch ein paar Minuten länger 
in jenem verkehrten Kurs hätten sortsteuern dürfen, und 
wir wären ohne Rettung auf den Strand gegangen, wo 
wir vielleicht Schiff, Leib und Leben eingebüßt hätten.
	        

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