Full text: Der alte Nettelbeck

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übrigen Unglücksgefährten uns kümmerlich geflüchtet hatten. 
Die Hellen Thränen traten ihm bei unserm Anblick in's 
Auge. Insonderheit richtete er seine Aufmerksamkeit auf 
mich, fragte mich über meine Umstände aus, und erbot 
sich auf der Stelle edelmüthig, mich, wenn ich wolle, mit 
nach Colberg zu nehmen, und für mein weiteres Unter 
kommen zu sorgen. Er habe auch zwei Söhne in der See, 
und Gott wisse, wo und wie auch sie der Hülfe mitlei 
diger Seelen bedürfen könnten. Vor der Hand könne er 
zwar nur mich allein mitnehmen, allein auch für die 
Rückbleibenden solle baldigst Rath geschafft werden. 
„ So kam ich" fuhr er fort — „ nach Colberg in 
Euer väterliches Haus, wo ich an Eures Vaters, Mutter 
und Schwester Seite gegessen und getrunken, all meine 
Rothdurft empfangen, und tausendfache Liebe und Güte 
genossen habe. Eure Schwester versorgte mich mit Wäsche; 
meine kleinsten Wünsche wurden erfüllt, und so erhielt ich 
von so liebreichen Händen meine volle Verpflegung bis 
über Ostern hinaus, wo sich endlich eine Schiffsgelegenheit 
fand, wieder nach der Heimat zurückzukehren. Aber auch 
da noch steckte mir Euer Vater einen holländischen Duka 
ten zum Reisegeld in die Hand, und Eure Mutter that 
mit zwei preußischen harten Thalern das nämliche. Oft 
genug erzählten mir Beide von ihrem wackern Sohne in 
Königsberg; und ich hinwiederum vertraute ihnen, wie 
ich, obwohl ich es vorgegeben, doch kein Holländer, sondern 
ein preußisches Landeskind, und aus Neuwarp in Vor 
pommern gebürtig sei, Carl Friederich Mick heiße, und 
mich aus Furcht vor dem Soldatenstande außer Landes 
gewandt habe. Seit jenen Zeiten habe ich nun allstets 
darauf gesonnen, wie ich es möglich machen wollte, soviel
	        

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