Full text: Der alte Nettelbeck

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und nahm mit meinen Leuten wahr, daß sich das jenseitige 
Licht je mehr und mehr entfernte und endlich zwischen 10 
und 11 Uhr gar erlosch. Augenblicklich ward dies dem 
Kapitän gemeldet und hierauf beschlossen, einen Stückschuß 
abzufeuern, um unserm Gefährten unsere Richtung anzu 
geben. 
Der Erfolg war keinesweges befriedigend. Unter 
steigender Unruhe graute endlich der Morgen heran; Alles 
eilte an den Masten hinauf, um sich rings umher umzu 
sehen. Umsonst! Freund Peters, sammt unserer Prise, 
war und blieb verschwunden! 
Unsere Bestürzung war nicht geringe. Wie war dies 
zugegangen? Was war geschehen? Was konnte geschehen 
sein? — Manche waren der Meinung, unsere Leute waren 
sammt dem Schiffe gesunken. Dem mußte ich aber mit 
Fug entgegnen, daß ich sammt Allen, die mit mir am 
Bord gewesen, das Schiff dicht und gut befunden. 
Möglicher aber schien es uns, und stieg bald zur 
ängstlichen Besorgniß, daß allerdings doch Leute im Schiff 
versteckt gewesen, die bei Nacht unversehens hervorgebrochen, 
die Unsrigen überwältigt und ermordet, und sich, unter 
Begünstigung der Finsterniß, davongemacht hatten. Wir 
hatten also wohl nur zu viel Ursache, das Schicksal unse 
rer armen zwölf Gefährten zu bedauern. 
Allein selbst, wenn wir ihnen auch das bessere Loos 
wünschen wollten, daß sie — sei es durch Zufall, Unge 
schicklichkeit, oder gar durch vorsätzlichen bösen Willen, — 
in der Nacht von uns abgekommen, so waren sie darum 
noch wenig besser berathen; sondern es stand gar sehr 
dahin, ob sie jemals Holland oder irgend eine andere Küste 
wohlbehalten erreichen möchten. Der Steuermann war,
	        

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