Full text: Der alte Nettelbeck

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in den Ocean gekommen waren, unser Schiffsvolk täglich 
in der Bedienung des Geschützes und in andern kriegerischen 
Handgriffen zu üben, damit wir's mit den Maroccanern 
um so besser aufzunehmen vermöchten, und, falls cs zum 
Schlagen käme, Jeder am Borde wüßte, wohin er gehöre 
und wie er es anzugreifen habe. Und daß es hiermit 
nicht etwa von unserm Kapitän nur für die Langeweile 
gemeint war, kann ich sofort durch'ein Beispiel belegen. 
Ich kam, nachdem er mir schon früher aufgegeben 
hatte, von unserm Konstabler ein Faß halbgefüllter Kar 
tuschen anfertigen zu lassen, einst in dieser Zeit des Mor 
gens zu ihm in die Kajüte, um meinen nächtlichen Rapport 
abzustatten, und verwunderte mich nicht wenig, als ich ihn 
am Tische, den Kopf auf beiden Händen liegend, wie im tiefen 
Traume sitzen sah; — übrigens nackend und bloß, bis 
auf ein Paar linnene Hosen, und das Hemde an beiden 
Armen bis hoch an die Achseln hinauf aufgestreift und 
mit rothen Tüchern festgebunden war. Das gelockte Haar 
hing ihm rings um den Kopf auf den Tisch hinab, und 
vor ihm auf demselben lag ein blanker Schiffshauer. 
Milchelm. Gebt Acht, der will sich auch selbst 
um's Leben bringen. 
Still! Still! 
Nettelbeck. Wie wild und furchtbar er mir in 
diesem Aufzuge auch erschien, so sing ich doch an zu lachen; 
und eben wollt' ich fragen, was diese Maskerade zu bedeu 
ten habe, als er mich martialisch anblickte, den Säbel 
ergriff, aufsprang, an mir vorbeieilte, und indem er auf's 
Verdeck stürzte, aus vollem Halse schrie: „Ho, da der 
Feind! Ho, da der Feind! — Feuer! Vom.Steuerbord 
Feuer! —" In der ersten Ueberraschung meinte ich wirk-
	        

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