Full text: Der alte Nettelbeck

96 
Carl. Was ist unser Vater Nettelbeck so glücklich, 
daß er so vielen Menschen nützliche Dienste leisten kann. 
Julius. Ja wohl, wenn nur recht oft auch solche 
Gelegenheiten dazu treffen wollten. 
Nettelbeck. Die Gelegenheit dazu kann wohl kom 
men, weicht ihr nur nicht aus. Mich fand sie bald wieder. 
Einige Zeit nachher, wahrend ich noch an meinem 
Schiffe baute, kam eines Tages das Geschrei zu mir auf 
die Baustelle: Auf dem Pregel, am grünen Krähn, stehe 
ein holländisches Schiff, mit 120 Lasten Hanf geladen, 
in lichtem Brande. Sofort machte ich mich, sammt all 1 
meinen Schiffszimmerleuten, deren Jeder mit seiner Axt ! 
versehen war, auf den Platz, und sah, wie das Feuer I 
klafterlang, gleich einem Pferdeschweif, hinten durch die I 
Kajütporten emporflackerte. Alle Menschen, so viel sich 
beten bereite herbeigemacht hatten, waren damit beschäftigt, 
Löcher in das^ Verdeck zu hauen, und von oben hinab 
Wasser in den brennenden Raum zu gießen. Offenbar 
aber gewann dadurch der Brand unterm Deck nur um so 
großem Zug, und war auf diese Weise nicht zu dämpfen. 
Ein so widersinniges Verfahren konnt' ich nicht lange 
gelassen mit anblicken; und das nur um so weniger, da i 
mir das schnelle und sichere Mittel beisiel, dem weitern > 
Unglück auf der Stelle zu steuern, wenn nämlich das 
Schiff, ohne langes Säumen, zum Untersinken gebracht I 
werden konnte. So packte ich denn flugs den Schiffer am 
Arm, und schrie ihm zu: „Ihr arbeitet Euch ja damit i 
zum Unglück, daß Ihr dem Feuer noch mehr Luft macht, j 
Versenken müßt Ihr das Schiff! Hört Ihr? Versenken! 
Was da lange Besinnens!"
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.