Full text: Der Casseler Salon (Jahrgang 1., Nr.1-30)

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dein großen Casino zu Frankfurt am Main gemacht. 
Sobald Murhard's Verhaftung in Frankfurt bekannt 
wurde, entfernte sich auch Kelch heimlich von dort, als 
fürchte er ein gleiches Loos und hielt sich in einem 
Gartenhaufe vor dem Sachsenhäuser Thor bis zum 
Anbruch des nächsten Tages versteckt, um dann mit 
der Post nach Darmstadt zu slüchten. Auf der ersten 
Poststation nach dort, in Langen, gab er einen unfran- 
kwten recommandirten Brief an den Polizeicommissar 
Bücking in Hanau, welcher Murhard verhaftet hatte, 
zur Post. Von Darmstadt kehrte er nach Frankfurt 
zurück, ward jedoch dort ausgewiesen. Er verließ also 
Frankfurt abermals und nahm Route nach Cassel, 
indem er sich den Anschein gab, als wäre es seine 
Absicht, der dortigen Polizei in das Garn zu laufen 
und wirklich ward er auch sofort nach seiner Ankunft, 
im Hotel zum König von Preußen, arretirt und in 
das Castell gefangen gesetzt. 
Man hatte Murhard angeblich wegen Umgangs 
mit dem, gefährlicher politischer Umtriebe beschuldigten 
Kelch verhaftet. Trotzdem ward Kelch nach einigen 
Tagen seiner Haft entlassen, Murhardt aber blieb in 
Nro. Sicher. — Kelch ging nach Witzenhausen, aber 
der Fluch der öffentlichen Meinung folgte ihm, wo er 
ging und stand, jedermann mied ihn, er war vervehmt 
— für die bürgerliche Gesellschaft todt! — Später 
verließ er seine Heimath und verduftete spurlos. 
vr. Murhard hatte seiner Zeit unter Jerome 
gedient. Die Redaction les Westphälischen Moniteur 
war seine Sache und später hin lieh er seine Feder der, 
der Domainenkäufer aus der westphälischen Zeit in 
ihrem Prozesse gegen den Kurfürsten. Die Eingaben 
in dieser höchst unerquicklichen Geschichte an den Bundes 
tag sind zum größten Theil sein Werk. Die secirende 
Schärfe derselben mochte man an hoher Stelle noch 
nicht verschmerzt haben. Es ist daher nicht unwahr 
scheinlich, daß man ihn alles Ernstes fähig hielt, in 
der Drohbriefangelegenheit seine Hand mit im Spiel 
zu haben. Allein die Untersuchung stellte auch seine 
Unschuld heraus, und man mußte ihm die Thüren des 
Gefängnisses erschließen. 
Wir könnten noch mehr der Opfer dieser denk 
würdigen Untersuchung nennen, allein das würde uns 
zu weit führen. Nur noch eines sei gedacht. 
Der hannoversche Hofrath Johann von Horn gab 
im Anfange des Jahres 1824, in der Hoffnung, zur 
Lüftung des Schleiers, welcher das Treiben der Droh 
brieffabrikanten verhüllte, sein Scherflein beizutragen, 
ein Buch unter dem Titel: „Die Verschwörung 
gegen den Kurfürsten Wilhelm II. von 
Hessen-Cassel" heraus, welches ausführlich die 
Geschichte dieser geheimen Agitation, soweit dieselbe nicht 
Geheimniß war, darlegte. Wir sind diesem Buche zum 
größten Theil gefolgt. Die gute Absicht des Autor's 
ward jedoch auf andere Weise, wie er es sich wohl ge 
dacht haben mochte, gewürdigt. Man setzte in ihm einen 
Mitwisser voraus, die Polizei verlangte von Hannover 
seine Auslieferung, der Nachbarstaat willfahrte mit 
größter Zuvorkommenheit und der hannoversche Hofrath 
machte die Bekanntschaft mit dem Castell, von welchen: 
er in seinem Buche eine so ausführliche Kenntniß be 
reits documentirt hatte. Wir brauchen wohl kaum noch 
zu bemerken, daß durch die Auslieferung von Horn's 
eben so wenig Licht in das Dunkel getragen wurde, 
wie durch d:e Gefangensetzung der früheren Personen. 
So schien denn die Sache im Sande zu verlau 
fen, ohne daß die Drohbriefe aufgehört hätten. Doch 
sollte sie nicht enden, ohne daß sie eine Dosis Humor 
als Beigabe erhalten hätte. 
Eines Tages flüsterte man sich geheim — offen 
wagte man die Sache nicht zu besprechen — die Droh 
briefschreiber sind entdeckt, und zwar in der allmäch 
tigen — Polizei selbst. — 
Der Verdacht traf zuerst einige Personen von dem 
Unterpersonal, bis es den Feinden des Pvlizeidirectors 
von Manger gelang, ihn zu verdächtigen. Von Man 
ger wanderte nun selbst in das Castell, das sein Eifer 
so sehr bevölkert hatte. 
Der Günstling des Kurfürsten und der Gräfin, 
Rivalier, hatte von Anfang an darauf bestanden, die 
Untersuchung auf die höheren Stände auszudehnen, da 
bei war cs besonders auf den Major von Radowitz, 
v. Verschuer und v. Eschwege, also die Umgebung des 
Prinzen, abgesehen. Er machte ihm den Vorwurf, die 
Papiere des Majors v. Radowitz nicht untersucht zu 
haben. (Fortsetzung folgt.) 
HHHB Berichtigung von Druckfehlern. WWi^W 
In Nr. 14, Seite 112, zweite Spalte, Zeile 19 von oben 
streiche das Wort „und" vor „um". 
Nachdruck und Arberfehungsrecht vorbehalten. 
Herausgeber: C. Landsiedel und L. Mohr. — Druck von C. Landsiedel in Cassel. — Expedition: Steinweg Nr. 24. 
Verlag der L n ck h a r d t'schen Buchhandlung (Fr. Luckhardt) in Cassel.
	        

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