Full text: Durch Sauerland und Waldeck

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„Umhängen! Ohne Tritt . . . marsch!" 
Mechanisch fahren zwölf Gestalten in die 
Höhe. Barmherziger Himmel, wo sind wir? 
Nicht auf dem Samtrücken leichtbeschwingter, 
bunter Falter; wohl aber stolpern wir auf bren 
nenden Sohlen fast taumelnd den Abhang hin 
unter ins Wiesental des Wesebaches, wo vorhin 
noch Nektar und Ambrosia aus den Füllhörnern 
güldener Vlütenkelche träufelte. Ueberhaupt ist 
jetzt keine einzige Wiesenblume mehr da! Die 
dörren längst auf dem Heuboden! Wohl aber 
sind Knechte und Mägde im Wiesengrund, die die 
spärliche „Grünmahd" zusammenharken. — 
— Wir sind in Frebershausen. — 
* * * 
Vor der immer unerträglicher werdenden 
Hitze retten wir uns in einen Winkel des Dorf- 
wirtshauses. Wie müde Soldaten im Manöver 
werfen sich die Jungen hin, wo gerade Platz tft. 
Rucksäcke und Zubehör bilden bald einen unent 
wirrbaren Knäuel. Zwei sind abkommandiert, um 
die Grießsuppe zu rühren. Das Wasser läuft ihnen 
nur so von der Stirn. Die Wirtsfrau zeigt an 
fänglich wenig Interesse für uns. Erft als ich ihr 
erzähle, daß ich im Jahre 1911 auch mit Wander 
jungen dagewesen, daß wir damals bei ihr Hähn 
chen und Hühnchen gegessen hätten, horcht sie auf. 
Ich erkenne die Frau mit dem schwarzen, fest ge 
scheitelten Haar und den scharfen Zügen wieder.
	        

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