Full text: Johann Friedrich Armand von Uffenbach's Tagbuch einer Spazierfarth durch die Hessische in die Braunschweig-Lüneburgischen Lande (1728)

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Cassel 
versicherte, daß der lubus Newtonianus, deßen Repraesentation oben beschrieben, allen 
andern vorginge, woran jedoch zweiffele. Aber dieße Tubi waren noch eine große 
Menge anderer von allerhand Große und Gattung in einem mit Glas verschloßenen 
Schranke, darinnen man vielerleg Microscopia und andere optische Sachen liegen sahe, 
wozu aber, weil Herr Rath Schminke verreißet, der Schlüße! nicht beg Handen 
wäre. Hiernechst betrachte etliche große Taffeln mit anamorphodischen Zeichnungen und 
Gemälden, die aber nichts Außerordentliches hatten und meist vor conische und cglin- 
drische Spiegel gerichtet waren. An allen wänden in dießem Zimmer hingen noch 
Barometra und Thermometra von ungeheuer großen und besondern Anordnungen, 
welche aber eigendlich, wie auch viele bekante Hggrometra, hieher nicht gehoreten. Nach 
einem ziemlich langen Auffenthalt alhier gingen wir in das gegenüber befindliche 
Zimmer, so der Geometrie Aufschrifft hatte und welches ohnstreitig das vollkommenste 
und reichste an kostbahren und brauchlichen Sachen ist. Gleich linker Hand gegen der 
wand stunde ein großer Tisch mit vielen gemeinen und besondern Globis allerhand 
Art und Sgstematibus, worunter die Weigelische von Kupfer getrieben und angestrichen 
die vornehmsten schienen, deren auch ein gleiches Paar von Silber getrieben vorhanden 
waren. Ich beöarff alhier keiner Beschreibung, da ste zur Genüge bekant, anbeg aber 
überaus nützlich find. Man kan das ganze Gestirne nicht nur auswendig, sondern sehr 
artig durch ein Loch inwendig sehen, indem alle Sidera durchgebrochen und sich also in 
behoriger Stellung wie am Himmel praesenti waren. Hiernechst war ein Globus 
terrestris, ohngefehr von 1 V2 Schu dick, mit Elfenbein überzogen und sauber gestochen 
merkwürtig, das gewißlich ein nicht geringes Kunststück wäre. Neben dießen stunden 
zweg halbe Kugeln gleicher Größe mit denen vorigen, inwendig mit denen ^sterismis 
bemahlet und mit allerleg Linialen und Masstäben versehen, welche ebenfalß was Be 
sonders hinter sich hatten. Verschiedene gemeine von Himmels- und Crdenkugeln von 
allerleg Größe will nicht gedenken, wie auch allerleg Arten von 5ystematibus und Globis 
armill, deren allerleg Arten vorhanden waren und wohl verdienet hätten, genau unter 
suchet zu werden. In der Mitten des Zimmers stunden zweg große mit Glasfenstern 
bedeckte Tische, so ganz voll der schönsten künstlichsten und nüzlichsten mathematischen 
Instrumenten ohnzehlicher Gattung lagen, darüber man Jahre lang zu studiren hätte. Es 
fehlten hier nicht nur die bekanten und curieusesten Stücke keinesweges, sondern es 
waren so viele mir unbewuste Werkzeuge öabeg, daß ich nicht sehen tonte, wo ich in 
der Beschauung anzufangen hätte. Außer dießen verschloßenen Sachen war noch ein 
großer Tisch voll großer meßingen «Quadranten, Sextanten, Astrolabien, Sez- und 
Hengcompasse, Feltmeßerinstrumenten, Waßerwagen und Theilscheiben vorhanden, 
welche meistens ungemein fleißig und schön gearbeitet und zum Theil von einem sehr 
geschickten, noch lebenden Mathematico alhier nahmens Harriot, den der Landgraff 
reißen und lernen laßen, verfertiget waren. Aechst dießem sahe man eine Menge von 
allerleg erdenklichen Machinen zu Perspectivzeichnungen, die alle sehr kostbahr und schön 
gemacht waren, so daß man in dießem Zimmer leichtlich überzeuget worden, öaß der Herr 
Eollector mit mehr wißenschafft und Grund dieße schöne Euriofltäten zusammengebracht, 
als man beg denen Modellen von Machinen urtheilen müßen. Insonderheit haben mir 
die viele armirte und ohngefaßte Magnetsleine allerleg Größe und Gattung wohl ge-
	        

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