Full text: Ungebundene Uebersetzungen der Gedichte des Q. Horatius Flaccus

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rik * gcschöpfet, und sie auf römische ** Wiesen, so 
zu reden, geleitet? Wer verdenkt es dem Boileau 
daß er von den Sitten seiner Zeit in seiner Land 
sprache einen Horazischen Ausdruck brauchet? Ist 
die ganze Ableitung der Dichterey von Griechen 
her, wie konnte es wohl darohn abgehen, daß 
nicht hin und wieder auch attische Worte und de 
ren Fügungen *** die man für prächtig und schön 
hielte, an diesen poetischen Malereyen Theil nah 
men ? Griechische Gebräuche in kirchen- und bür 
gerlichen Angelegenheiten, fast der ganze Gottes 
dienst, die Gesetztafeln, die Spiele, die Gelehrsam 
keit, Weltweisheit und Rednerkunst, alles ward 
zu Rom, selbst vom Cato, dem Feinde aller grie 
chischen Wissenschaften, mit beyden Handew auf 
genommen : und man will sich ein Gewissen ma 
chen, einem oder anderm etwas fremd scheinenden 
Worte, das doch durch soviel andere Schönheiten 
wieder vergütet wird, das Gastrecht in der Spra 
che zu verstatten? Eine ganz andere Beschaffen 
heit hatte es mit dem Livius Andronicus, dem Lu- 
cts, Ennius und andern, die eine halbgriechische 
Sprache führeten, und doch zu ihrer Zeit ihre 
Verehrer fanden, weil der bessere Geschmack da 
mals noch nicht eingeführet war. Es kommt 
mir eben so vor, als wenn manche gar zu catoni- 
sche Kunstrichter, eifersüchtig darüber werden, 
wenn etwa ohngefehr ein archaisches, veraltetes, 
oder auch aus einer fremden Sprache erborgtes 
Wort f in einen deutschen Aufsatz, weil der Man 
gel 
* !>. i.Epist. 19, v. 2l. 22. *** Hellenismi, " 
** L,i, Epist. 2, r, 120. IST, L,Epist, 3, v. IIJ-ISI,
	        

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