Full text: Ungebundene Uebersetzungen der Gedichte des Q. Horatius Flaccus

I. Buch. 275 
großer Herr, wenn er dergestalt bey sich überzeugt 
seyn wird, daß du an denen Lustbarkeiten, wozu er 
geneigt ist, selbst ein Vergnügen findest, wird nicht 
ermangeln, deinen Lustübungen wiederum seinen 
Beyfall zu gönnen* Damit ich dir nun ein 
für allemal einen Rath ertheile, wenn anders du 
eines Rathgebers bedarfst, so nimm dich darinn 
klüglich in acht, was du von dieser oder jener Per 
son, wer sie auch sey, sprechen mögtest, und gegen 
wen du solches thust. Hüte dich für fürwitzigen 
Ausforschern**soviel du kannst: denn es pflegten 
gemeiniglich Wäscher und Auöplauderer zu seyn, 
die gerne neue Zeitungen hören mögen, und ein 
Geheimniß, so ihnen etwa im Vertrauen entdecket 
worden, nicht bey sich behalten: wenn denn ein 
Wort erst einmal heraus, laßt sich es nicht wieder 
zurück holen. Mache dich ja niemals in dem Hau 
se deines vornehmen Freundes, dessen marmorstei 
nerne Schwellen du nicht anders, als mit Ehrfurcht 
betreten sollst, an eine von seinen Sklavinnen, daß 
du dich in die verlieben wolltest, oder an ein jun 
ges Bübgen; damit der Herr dieses***ihm selbst 
gefälligen Mägdgens oder artigen Knabens, wenn 
er sie dir schenket, nicht meyne, er habe dir durch 
so was geringes eine besondere Wohlthat erwie 
sen ; oder es dich verdrieße, wenn er sie dir versa- 
getf. 
S 2 Siehe 
* mit* dir, wie man spricht, *** von dir liebgewonnenen 
beyde Daunien darum ju und 
halten f mithin dir nicht widerfahre, 
** und Spionen eines aus zweyen Uebeln zu 
erwählen
	        

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