Full text: Ungebundene Uebersetzungen der Gedichte des Q. Horatius Flaccus

II. Buch. 169 
er verdienet durch sein gutes Betragen, daß du 
ihm von den Göttern ein langes Leben erbittest. 
Horaz. Wohlan denn! Rede, gebrauche dich 
der Freyheit des * Knechtsfestes**, weil unsere 
Vorfahren doch einmal schon die Standesgleich 
heit auf die Zeit eingeführet: sage frey heraus, 
was du willst. 
vavus. Viele Menschen machen sich ein 
Vergnügen daraus, hartnäckig bey ihren Aus 
schweifungen zu beharren, und gehen von so bö 
sen Sitten keinen Fuß breit ab: Andere schweben 
in lauter Ungewißheit; heute folgen sie der Tu 
gendspur, morgen lassen sie sich wieder von dem 
Strom der Laster hinreißen. Ist wohl jemals 
was unbeständiges erfunden worden, als der 
Redner Prifcuö? Bald sahe man ihm drey Rin 
ge an der Hand, eine Weile nachher gieng er 
ohne einen einzigen *** an zu haben. Ein so wan- 
kelmüthiger Mann, daß er diese Stunde ein 
Rathöherrnkleid f; die andere ff ein schlechtes 
Kleid trug. Bald zog er aus seinem geräumigen 
Hause in ein so schmutziges Nest, aus welchem 
ein Freygelassener, wenn er ein bisgen wohlgeklei 
det, sich entsehen hatte, mit Ehren über die 
Schwelle zu treten. Heute wünschte er, stets in 
Rom zu seyn, um nur seinen Lastern den Zügel 
schießen zu lassen; morgen aber wäre er gern zu 
L 5 ' Athen 
* vom i-. Decembr. angehen- *** an der am wenigsten be- 
den schaftigten Linken 
** von 7. Tagen lang , zum 1- nämlich eine Weste mit ei- 
Andenken der güldenen Zeit nein breiten Streifs von 
unter dem Saturnus Purpur herunter verbrämet 
ff um nicht erkannt zu werden.
	        

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