Full text: Ungebundene Uebersetzungen der Gedichte des Q. Horatius Flaccus

156 Horazischer Strafgedichte 
letzten Willen * verordnete, sie auf solche Weise 
zu bestatten: Der Erbe nämlich sollte ihren Leich 
nam stark mit Oele einschmieren, und sie also, so 
nackt sie wäre, auf seinen entblößten Schultern 
selbst zum Scheiterhaufen tragen. Ohne Zweifel 
war diese Bedingung deswegen hinzugefügt, daß, 
wenn ihr todter Körper ihm etwa abglitte, ihm 
die Erbschaft solchergestalt auch aus der Nase 
gehen müßte; ich glaube, daß sie es darum ge 
than , weil er bey ihren Lebzeiten ihr gar zu heftig 
angelegen, ihn zum Erben einzusetzen **. Dieß 
laß dir eine Warnung seyn, behutsam und mir Be 
scheidenheit *** zu Werk zu gehen. Siehe keine 
Mühe an 4; jedoch dringe dem Erblasser deine 
Dienste auch nicht wider Willen auf ff. Plau 
dere ihm auch nicht immer die Ohren voll, sinte 
mal einem verdrießlichen mürrischen Manne ein 
Wäscher fff eine schwere Last ist 4: doch mußt 
du dich auch nicht bitten lassen, wenn man gerne 
sieht, daß du sprichst. Vielmehr mache es wie 
der Knecht Davus in der Comödie, und stehe bey 
ihm # mit Horchsamen Ohren in fein gebückter 
Stellung, gleich einem der sich fürchtet. Wenn 
er was verlangt, so sey geschwinde bey der Hand, 
und eile zu seinen Befehlen. 414 Wenn die Luft 
scharf 
* um sich an ihrem ihr gar 4 ihm, wo es nöthig thut, 
zu verdrießlichen Erben we- Dienste zu leisten 
nigstens im Tode noch zu 44 als wodurch du ihm nur 
rachen, lästig wirst 
** daß sie ihm also noch im 444 schwatzhafter Mensch, 
Tode entwischen mögte, da 4 und wird er sich schlecht bey 
sie diesen Endzweck im Leben ihm beliebt machen 
nicht erreichen können 44 wie der bey feinem Herrn, 
*** bey deinem Alten 4f4 Laß es auch niemals an 
gutem Rathe ermangeln.
	        

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