Full text: Ungebundene Uebersetzungen der Gedichte des Q. Horatius Flaccus

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Horazischer Strafgedichte 
ders gewohnt, denn aus einem campanischen irdt- 
nen Becher, schlechten Landwein, der in dem 
Vejentanischen * wächst, so gar bey seinen Festen 
zu saufen; an Werkeltagen aber behalf er sich gar 
mit verdorbenem lüderlichem Zeuge. Dieser 
Opimiuö war einst in eine tiefe Schlafsucht ver 
fallen ; als sein Erbe schon ganz erfreut und froh 
lockend um jenes Geldkasten herum lief, und sich 
nach den Schlüsseln umsah. Allein sein ehrli 
cher sorgfältiger Arzt ermunterte ihn auf folgende 
Art: Er ließ ohne Verzug einen Tisch ** hin 
sehen , schüttelte einen Haufen Geldsäcke darauf 
aus, und stellte verschiedene Leute dazu, die sol 
ches zählen mußten. Durch dergleichen Lärmen 
brachte er soviel zuwege, daß jener sich in die 
Höhe richtete. Darauf redete er ihn also an: 
wofern du das Deine nicht verwahrest, so wird 
dein gieriger Erbe alles dieses stehendes Fußes 
hinwegnehmen. Noch bey meinem Leben?*** 
So ermuntere dich denn, s damit man sehe, daß 
du lebest; und siehe hier zum Rechten. Was willst 
du denn, ft was ist zu thun? Wofern du nicht 
was von Speise zu dir nimmst, ttt und dem 
gänzlich geschwächten Magen nicht durch kräftige 
Stärkungsmittel wieder zu statten kommst: so 
wird dir das Blut in den Adern erstarren. . .. 
Zauderst du noch? Mache einmal fort: nimm 
diese Reisbrühe sogleich zu dir 4. Was kostet 
der 
* einem Gebiete von Hetru- ckck ftaqt Opimius, 
rien, ckt'k erwiederte der Arzt, 
** zu seinem Bette 4 hier ist keine Zeit zu verlie- 
*** schrie der Patient laut. ren 
ck antwortete dieser,
	        

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