Full text: Ungebundene Uebersetzungen der Gedichte des Q. Horatius Flaccus

i o3 Horazischer Strafgedichte 
gegessen. Kam aber einmal ein fremder Gast, 
den ich in langer Zeit nicht gesehen, zu mir, oder 
ein lieber Nachbar besuchte mich, wenn ich des 
regnigten Wetters halber die Feldarbeit aussetzen 
mußte, und blieb bey mir zum Essen, so thaten 
wir uns, ohne noch erstlich aus der Stadt ein 
Gericht Fische holen zu lassen, auf ein gekochtes 
Huhn * und einem Böcklein aus meiner Schafe- 
rey, was zu gute: Darauf ward zum Nachtische 
** was von Rosinen, so in der Luft getrocknet, 
von Nüssen, von großen dürren Feigen aufgesetzt. 
Nach der Tafel war unser vergnügter Zeitvertreib, 
ohne Aufseher und ohne Strafgesetze, aus einem 
großen Stutzglase soviel jedem beliebte, *** zu, 
trinken. Unser Opfer und Gebeth verrichteten 
wir an die liebe f Ceres, um sie zu einer geben* 
lichen Feldfrucht uns geneigt zu machen: und 
wenn wir auf eine gute Erndte getrunken, so wur 
den wir lustig, und der Wein verbannete alles 
Leid und Grillen aus unfern Herzen. Nun mag 
das Unglück toben wie es will, und neue ff Stür- ? 
me wider uns erregen, was wird es mir fff an 
meiner Bedürfniß groß nehmen können? Habe 
ich, seitdem dieser neue Wirth, der Umbrenus, 
mein Gut in die Hände bekommen, f mir darum 
wohl was abgehen lassen, oder habt ihr, meine 
Kinder, deswegen schmaler beißen müssen? We 
der ihn, noch mich, noch irgend sonst jemanden, 
hat 
* von meutern Hofe, 
** Dessert, Conftct, 
*** Gesundheiten 
t Fruchtgvttinn • 
ft Kriegs- 
fff der ich mit wenigem inich 
vergnüge, 
$ und ich es mit dem Rücken 
ansehen müssen,
	        

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