Full text: Ungebundene Uebersetzungen der Gedichte des Q. Horatius Flaccus

92 Horaz 
ket, wie nämlich die wenigsten von den in seinen 
Strafgedichten vorkommenden, wirkliche Namen 
seyn; also ist außer Zweifel, daß es vielmehr nur 
den lästern, oder auch Tugenden solcher*Leute zu 
kommende Eigenschaften sind. Obwohl nicht zu 
leugnen, daß mannichmal, wenn er sich vergißet, 
und aufgebracht ist, es ehe einer Schmähschrift,** 
als einer Satire ähnlich siehet. 
Allein man wirft ihm noch dieses vor: Arzt 
hilf dir selber. Ein für einen Lehrer freylich 
schimpflicher Vorwurf, wenn die Last der 
Schuld auf ihn selbst zurück geschoben werden 
kann. Man wird aber bald andere Gedanken 
von ihm fasten, wenn man nachstehende Ableh 
nungen reiflicher zu erwegen sich die Mühe giebt. 
Ein jeder Satirenschreiber soll diesen Endzweck 
billig haben, daß er bestem wolle. Wenn diese 
Absicht nicht ist, so ist seine wider das Unwesen 
der Laster sich empörende Feder mehr mit dem 
Geifer einer giftigen Rache, die er an andere zu 
nehmen gedenket, angenetzt, als mit Menschenliebe 
und Leutseligkeit angefüllt. Diesen Endzweck, die 
Laster durch Vorhaltung der Tugend auf eine 
liebreiche scherzhafte Art zu beschämen, behauptet 
Horaz, lediglich *** bey seinen stachelreichen Er 
findungen vor Augen zu haben. Nun war der 
Strafrichter in Lastern selbst vertieft, und konnte 
aus den Wollustpfützen vornämlich, sich selbst 
nicht herauswälzen, f Lehren unterweisen, Bey 
spiele 
* L. t. Sät. TO, V. 68. 69. *** L.2, Sät. r, v. 39-46. 
** Dreier in feiltet? Prefacc fi* f L.j. Epod t xi. v, 37, h. 
der die Satiren.
	        

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