Full text: Ungebundene Uebersetzungen der Gedichte des Q. Horatius Flaccus

Lebensbeschreibung. 79 
herige Zutritt beym Mäcen, als einem erzverlieb 
ten Manne, nöthigte ihn, wollte er anders einen 
gnädigen Herrn an ihn haben, und die guten Bis 
sen beybehalten, allerhand Verse von Liebessachen, 
je lustiger je besser zu schreiben, obgleich er sich 
dessen in seinem Alter genug weigerte.* 
Zudem pflegte großen Künstlern gemeinigliche 
ein unordentliches Leben beyzuwohnen, und einem 
so treflichen Witze als Horaz war, muß man des 
überwiegenden Guten halber etwas zu gute halten. 
Andere seiner Zeit haben es nicht besser gemacht. 
Das Dreyblatt Catull, Tibull und Properz sind 
gleichsam ** Dreymanner in der Republik der 
Wollüstler. Horaz hat es doch noch nicht so 
schlimm gemacht, wie der erstere von diesen dreyen 
Helden, dessen pajseres*** mehr denn zu bekannt. 
Denn hatte die Lesbia gleich einen natürlichen 
Spatzen zu ihrem Zeitvertreibe, so wußte ein so 
abgefeimter Wollüstler, als Catull war, doch leicht 
einen metaphorischen nachzumachen, da ohnedem 
der hieroglyphische der Venus, ihm dazu genüg 
samen Anlaß gab. Und schrieb der zweyte von 
ihnen nicht schon in seiner Jugend Jammerlieder, 
und beklagte sich über die Untreu seiner Geliebten, 
in solchen Ausdrückungen, daß ihn die Väter auf 
der Kirchenversammlung zu Trident, samt den 
Catull, zu lesen verboten? Der dritte dieses Ge 
lichters war nicht minder schalkhaft, so daß dessen 
Schriften in dem Weinkeller, allwo sie unter dem 
Faße 
* L, i. Epist.l. v.5„4, *** Catull, Ipigr, r.;. 
** Triumviri,
	        

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