Full text: Die Landescreditkasse zu Cassel auf Grund des Gesetzes vom 25. December 1869

I. 
Die erste Nummer des diesjährigen Amtsblattes der Königlichen 
Regierung dahier — vom 8. d. M. — enthielt die Bekanntmachung 
des Landesdirectors v. Wintzingerode, daß die Landescreditkasse ans 
Grund des Gesetzes vom 25. Deceniber v. I. am 3. d. M. der com- 
munalständischen Verwaltung übergeben und gleichzeitig der neubestellte 
Direktor derselben, Justizrath vr. Harnier, in sein Amt eingeführt sei. 
Die zweite Nummer des Aintsblattes brachte den vollständigen Abdruck 
des Gesetzes vom 25. v. M. über die Landescreditkasse und nun ent 
hält dessen dritte Nummer — vom 15. d. M. — bereits in vier Er 
lassen der Directiou der Landescreditkasse die zu Ausführung des ge 
dachten Gesetzes, „um auf Grund desselben eine weitere Wirksamkeit der 
Landescreditkasse soweit thunlich alsbald wieder herbeizuführen," vom 
landständischen Verwaltungs-Ausschüsse getroffenen und soweit dies vor 
geschrieben, von dem Herrn Oberpräsidenten genehmigten Anordnungen, 
nebst weiteren Beschlüssen der Directiou. So hat sich also, seit endlich 
in letzter Stunde das Gesetz über die Landescreditkasse als hocherwünschte 
Weihnachts- und Nenjahrsgabe für unser Land die landesherrliche 
Sanction erhielt, der Uebergang der Anstalt und das Jnslebentreten 
der landständischen Verwaltung rasch vollzogen! Es ist nun an der 
Zeit, sich mit prüfendem Blick über den Werth und Nutzen des neuen 
Gesetzes selbst und der getroffenen ersten Ausführungsmaßregeln klar 
zu werden. 
Da ist denn vor Allem anzuerkennen, daß die einfache Thatsache 
der Erhaltung der Anstalt, die Beseitigung der bisher wegen deren 
Fortbestandes gehegten Besorgnisse mit vollem Grunde allerseits aus 
das Freudigste empfunden wird. Wäre es toirklich, wie man in weiten 
Kreisen fürchtete, dazu gekommen, die Landescreditkasse zu schließen und 
deren Liquidation eintreten zu lassen, lvüreil dann Kündigungen der 
aus derselben erhaltenen Darlehen in größerem Umfang nöthig gewor 
den, so liegt es ans der Hand, daß damit eine große Calamität über 
unser Hessenland eingebrochen, eine Entwerthung des Grundbesitzes in 
verderblichster Weise eingetreten wäre. Man konnte ja nun wohl er 
warten, daß die Staatsregierung es dazu nicht kvinmen lassen, daß 
sie geeignete Abhülfe eintreten lassen würde. Aber jedenfalls war doch, 
so lange das nicht wirklich geschehen war, die Sorge gerechtfertigt, zu 
mal die erste, im Jahre 1808 dem Communal-Lanotag gemachte Vor 
lage wegen ihrer Fehlerhaftigkeit von demselben gänzlich zurückgewiesen 
werden mußte. Es ist anzuerkennen, daß die Staatsregierung in ihrer 
neuen Vorlage die Anträge des Landtags in vollstem Umfange zur
	        

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