Full text: Amtlicher Katalog der Niederschlesischen Gewerbe- und Industrie-Ausstellung Goerlitz 1905

Kleiner Führer durch Görlitz. 
Auf dem benachbarten mit Grün reich geschmückten Demiani- 
piatz sehen wir dann das 1850/51 erbaute Stadttheater und 
ae n Kaisertrutz, ein ca. 400 Jahre altes kreisrundes Bollwerk, 
das vor 50 Jahren zur Hauptwache und zum Arsenal umgebaut 
"’urde. Gleich daneben befindet sich die erste im Krieg von 
1870/71 erbeutete französische Kanone, von einer halbkreis 
förmigen Mauer mit großem Broncerelief umgeben. An dem 
förmenschönen Reichenbacher Turm und dem Gewerbehause 
'orüber gelangen wir auf den Obermarkt, auf dem uns zu 
nächst das Reiterstandbild Kaiser Wilhelms 1. mit den Statuen 
msmarcks und Moltkes ins Auge fällt. An diesem weitge 
dehnten Platze erhebt sich die Dreifaltigkeitskirche, deren 
schlanker Turm der Mönch genannt wird. Dicht daneben beginnt 
der älteste Teil von Görlitz, dessen schönste architektonische 
»luten wir auf dem Untermarkt erblicken. Dieser Platz mit 
seinen zierreichen Fassaden, seinen steinernen Bogengängen, 
•'Lauben“ genannt, seinem altersgrauen Brunnen verdient eine 
Jahre Perle altertümlicher Baukunst genannt zu werden; 
durch moderne Schilder wird leider dieser poesievolle Eindruck 
^geschwächt. Eine der edelsten Blüten der Renaissance in 
Deutschland nennt Liibke die 1536 erbaute Rathaustreppe, 
ueben der sich ein Balkon, eine Bildsäule der Gerechtigkeit 
j ln d das Wappen eines Ungarnkönigs befinden. Auch das 
Innere des Rathauses birgt manches Sehenswerte, besonders 
schöne Holzschnitzereien, ferner eine „Gerichtslaube“, und von 
dem 4 Jahrhunderte alten hohen Turm aus hat man einen 
Prächtigen Rundblick. Neben dem alten Rathause erhebt sich 
der imposante, in deutscher Renaissance ausgeführte Er 
weiterungsbau, der fünf Geschosse zählt; besonders stattlich 
Präsentiert sich der große Saal der Stadthauptkasse. Andere 
Altertümliche Gebäude schliessen sich an: das ehemalige 
Kommerzhaus in der Mitte des Platzes, die Ratsapotheke 
nut Erker und astronomischer Uhr, der „Schönhof“ mit schönem 
Erker, der „goldene Baum“ mit hochgewölbtem Hausflur, die 
ehemalige Stadtwage mit schlanken Pfeilern an der Fassade, 
Cer Gasthof zum „braunen Hirsch“, ehemals das Absteige 
quartier von Kaisern und Königen, das in Barockstil erbaute 
Jaus der Oberlausitzer Gesellschaft der Wissenschaften und 
uann das Haus Neißstrasse 29, dessen Fassade, mit Reliefs 
aus der biblischen Geschichte reich geschmückt ist. Die steile 
Euißstrasse, die ebenfalls „Läuben“ zeigt, hinabgehend, kommen 
AVlr zur alten Neißebrücke, die bald durch einen Neubau 
er setzt werden soll; hier hat man Blicke auf markante Stücke 
v ° n Alt-Görlitz. Eine der schönsten deutschen Kirchen in 
gotischem Stile, die 1497 vollendete St. Peter- und Paulskirehe, 
? r hebt sich auf dem neben der Brücke gelegenen Hügel. 
5 schiffige Kirche, deren Kreuzgewölbe 24 Pfeiler tragen 
und die 5000 Sitzplätze bietet, ist sehr sehenswert, u. a. wird 
Qla u auch in die unterirdische Georgskapelle geführt. Die 
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