Full text: Auf falschen Pfaden

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grell beleuchten wird. Morgen werden Alle, Alle 
mit Fingern auf sie zeigen, sie werden ein Gespött 
der Judenstraße sein. Von allen Seiten werden 
Hvhnwvrte ertönen, und schadenfrohes Gekicher 
wird überall an ihr Ohr dringen. Ist denn auch 
je dergleichen in der Jndenstraße erlebt worden? 
Nein, noch niemals! Und konnten sie die Schande 
vor der Welt verheimlichen? Gewiß nicht! Er 
zählten sich doch schon längst die Spatzen auf dem 
Dache von dem intimen Verhältnisse, in welchem 
der Cassirer Johannes Brandt znm Hanse des 
Reb Chajim stand, und daß die Beziehungen des 
Genannten zur Tochter dieses Hanfes sich nach 
und nach zu recht innigen gestaltet hatten. Wer 
Augen hatte, der mußte sehen, daß diese Be 
ziehungen §u keinem guten Ende führen konnten. 
Wo aber alle klar sahen, da waren die eigenen 
Eltern blind; ihr harmloser Sinn ließ sie an 
nichts Arges denken. Insbesondere war der Um 
stand, daß der junge Mann ein Nichtjnde war, 
für sie beruhigend. Morgen wird man sie nun 
wegen dieser ihrer Harmlosigkeit verspotten; von 
manchen bösen Neidern werden sie spitze Reden 
hören müssen. Denn wer wird nicht das plötzliche, 
fluchtartige Verschwinden des Cassirers, der jeden 
falls sich Unregelmäßigkeiten tu seiner Stellung bei 
einem Geschäftsfreunde hat zu Schulden kommen 
lassen, mit der so auffallenden Abwesenheit der 
Tochter in Verbindung setzen? Die böse Welt ist 
doch stets gar zu sehr geneigt zu den abentener-
	        

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