Full text: Auf falschen Pfaden

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Durch einen langen Kuß besiegelten Beide ihren 
Herzensbund. 
Werner entfernte sich eiligst. Sara, die noch 
in dem Gedanken an das eben gekostete, reine Liebes 
glück schwelgte, schloß das Fenster und begab sich 
zur Ruhe. 
Am andern Morgen hatte sich Werner, der 
seiner Herrin mitgetheilt, daß besondere Familien 
verhältnisse ihn nöthigten, in seine Heimath zu 
reisen, auf bcii Weg gemacht. Sara fand an 
einem verborgenen Orte ein Schreiben des Ge 
liebten vor, in welchem dieser ihr mittheilte, nach 
welchem Orte er sich begeben wolle. 
In dem Wesen Sara's war aber fortan ein 
völliger Umschwung bemerkbar geworden. Wenn 
auch nicht der frühere Frohsinn zurückgekehrt war, 
so war sie doch freundlicher geworden. Auch 
während des Tages pflegte sie jetzt in ihrem ein 
samen Kämmerlein bei verschlossener Thüre zn 
weilen. Niemand durfte erfahren, was sie dort 
trieb. Eine Liebesarbeit war es, die sie da be 
schäftigte. Sie fertigte für den Geliebten einen 
Tallis- und einen Tefillinbcntel an. Alle Sorg 
falt verwendete sie daraus, um etwas besonders 
Schönes demselben darbieten zn können. Viele 
Wochen war sie damit beschäftigt, die ihr aber im 
Fluge dahinschwanden, weil es ihr eine süße Be- 
schäftigung war. Als sie die Gegenstände fertig 
gestellt hatte, sandte sie dieselben dem Geliebten, 
der unter Betheuernng seiner treuen, unwandell
	        

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