Full text: Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen (3)

hat schütteln wollen, schüttelt er sich selbst und wirft viele trockene 
Zweige herab, die es schlagen: die Kuh die es nicht hat melken wol 
len, stößt es, so daß es endlich zerschlagen und voll blauer Flecken 
oben wieder anlangt. Eine fünfte abermals hessische Erzählung ist 
abweichend. Es war eine Frau, die liebte nur ihre rechte und gar 
nicht ihre Stieftochter, die doch ein gutes frommes Mädchen war; 
sie hielt es immer hart und suchte es los zu werden. Eines Tags 
setzte sie beide an einen Brunnen, da sollten sie spinnen, "wer mir 
aber den Rocken hinabfallen läßt, den werf ich hinter drein'. So 
sprach sie und band ihrer Tochter den Rocken fest, der Stieftochter 
aber ganz lose. Kaum bat diese ein bischen gesponnen, fällt ihr der 
Rocken hinab, und die Stiefmutter ist unbarmherzig genug und wirft 
sie hinab. Sie fällt tief hinunter, kommt in einen herrlichen Gar 
ten und in ein Haus, wo niemand ist: in der Küche will die Suppe 
überlaufen, will der Braten eben verbrennen und der Kuchen im 
Backofen eben schwarz werten. Sie setzt die Suppe geschwind ab, 
gießt Wasser zum Braten und nimmt den Kuchen heraus und richtet 
an: so hungrig sie aber ist, nimmt sie doch nichts davon außer ein 
paar Krümchen, die beim Anrichten vom Kuchen herabgefallen waren. 
Darauf kommt eine Nire mit furchtbaren Haaren, die gewiß in einem 
Jahr nicht gekämmt waren, und verlangt sie solle sie kämmen, aber 
nicht rupfen und nicht ein einzig Haar ausziehen, welches sie endlich 
mit vielem Geschick zu Stande bringt. Nun sagt die Nire, sie wolle 
sie gern bei sich behalten, sic könne aber nicht, weil sic die paar Kru 
men gegessen habe; doch schenkt sie ihr einen Ring und andere 
Sachen, wenn sie den Nachts drehe, wolle sie zu ihr kommen. Die 
andere Tochter sott nun auch zu der Nire, und wird in den Brunnen 
geworfen; sie macht aber alles verkehrt, bezähmt ihren Hunger nicht, 
und kommt dafür mit schlechten Geschenken zurück. 
Eine sechste Erzählung aus Thüringen gibt W. Reynitzsch in 
dem Buche über Truhten und Truhtensteine (Gotha 1802) S. 128 
—131. Die schöne Schwester, der die Spindel in den Brunnen 
gefallen ist, wird von der garstigen (aischlicben) hinabgestoßen. Sie 
kommt auf ein weites Feld, ein weißes Männchen geht mit ihr auf 
eine grüne Wiese, auf welcher ihnen ein Bardel (Sänger) mit seiner 
Geige begegnet, sie singend empfängt und geleitet. Eine rothe Kuh 
bittet gemelkt zu werden, damit ihr der Euter nicht zerspringe; das 
Mädchen thuts. Sie gelangen endlich an eine prächtige Stabt, das 
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