Full text: Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen (3)

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daß er krank wird, und zu seiner Rettung gibt ein Druide den Rath 
einem Baum das Verborgene anzuvertrauen. Nun genest zwar der 
Jüngling, aber unglücklicherweise läßt sich ein Harfner aus dem 
Holz des Baums eine Harfe machen und diese, wie sie fertig ist, ver 
räth das Geheimnis, indem sie von selbst tont und sagt "der König 
hat Pferdeohren! ' Wobei man natürlich an die ähnliche griechische 
Sage von Midas und seinem Balbier denkt. In einer andern Er 
zählung ist es wieder völlig im Stil der Märchen daß bei der Geburt 
eines Mädchens Unheil für das Land geweiffagt wird und die Ritter da 
her dessen Tod verlangen, der König sich aber dagegen stellt und eS 
in einen festen Thurm setzen läßt, um das Unglück abzuwenden. 
Indessen entflieht das Mädchen doch, und die Weissagung geht in Er 
füllung. Merkwürdig ist hier ein gemeinsamer Zug, als die Jung 
frau einmal im Winter mit ihrer Pflegemutter aus dem Thurmfen 
ster sieht, schlachtet gerade der Metzger ein Kalb, dessen rothes Blut 
auf den weißen Schnee fallt, während ein Rabe herzukommt und da 
von frißt. Bei diesem Anblick ruft sie "hätte ich einen Liebsten, dessen 
Haut so weiß wäre als dieser Schnee, dessen Wangen so roth als 
dieses Blut, dessen Haar so schwarz,als das Gefieder dieses Raben'. 
Weiter aber findet sich keine nähere Übereinstimmung zwischen diesem 
und dem deutschen Märchen (Nr. 83). 
Zwei cornwallisische Mabinogion theilt Ed. Jones (The bordic 
museum, Lond. 1802. fol. S. 17—30 ) mit, welche von dem Kö 
nig Pwyll reden. Dieser tauscht mit einem Freund die Gestalt, um 
dessen Feind zu besiegen, und schläft ein Jahr lang in des Freundes 
Bett, ohne die Frau desselben anzurühren: die Sage von den beiden 
treuen Freunden, worüber die Anmerkungen zu dem Märchen von 
den beiden Brüdern (Nr. 60) nachzusehen sind. In der andern Er 
zählung kommt vor wie er durch seine Diener einer wunderschönen 
Jungfrau die jeden Tag erscheint, nachsetzen laßt, doch keiner, auf 
dem besten Roß sie einzuholen, schnell genug ist. Sobald er selbst 
sie anruft, bleibt sie stehen und bekennt ihre Liebe. 
Auch in Lhuyds Archaeologia brilanica findet sich ein cornwallifi- 
scheS Märchen, von dem hier, da es gewissermaßen ein Gegenstück 
von jenem deutschen ist, worin es dem Hans zu seiner Zufriedenheit 
immer schlechter geht (Nr. 83), ein Auszug stehen muß. Ivan 
sagt zu seiner Frau "ich will ausgehen und Arbeit suchen, bleib du 
einstweilen daheim'. Er kommt zu einem Sandmann der fragt "waS
	        

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