Full text: Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen (3)

9. Eselshaut (Peau d’äne). Pentamerone die Bärin (2, 6), im 
deutschen Allerlei-Rauh (Nr. 68). 
1V. Die kluge Königstochter (L'adroite princesse). Im Pentamerone 
Sapia Liccarda (3, 4). 
11. Die lächerlichen Wünsche (Les souhaits ridicules) in Versen. 
Enthält den letzten Theil des deutschen Märchens von dem^Ar- 
men und Reichen (Nr. 87). 
Gräfin Äulnozi. 
Die auch durch andere Arbeiten bekannte Gräfin Aulnoy (geb. 
1680, gest. 1703) lebte zugleich mit Pcrrault. Sie muß ihre Mär 
chen, wenigstens einen Theil derselben, nach der Erscheinung der sei- 
nigen, mithin in ihren spätern Jahren, geschrieben haben, da fic in 
La chatte blanche (Nr. 19) die Peau d’äne, die Belle au bois dor- 
mant und Chat bottä anführt, unter den beiden letztern aber ganz ge- 
wis Perraults Märchen meint. Nachgeahmt indessen hat sie ihn 
nicht, ihre Sammlung ist beides schlechter und besser. Schlechter in 
sofern , als darin die Überlieferungen weniger treu beibehalten und 
Zusatze, Erweiterungen, Verse, moralische Betrachtungen einge 
mischt find, überhaupt der Stoff willkürlicher behandelt ist. Über 
lieferungen aber liegen einem großen Theil dieser Märchen so gut zu 
Grund als bei Perrault, und die andern rein erfundenen unter 
scheiden sich durch Mangel an Gehalt leicht davon. Ein recht merk 
würdiger Beweis ist eins der schönsten, der blaue Vogel, da es sich 
in den Gedichten der Marie de France, die schon im Anfang des 
13ten Jahrh, lebte, unverkennbar wieder findet; es ist der Lai von 
Uwenec (272—313.), eine gallische Sage, die mithin bis zum 18ten 
Jahrh, auf französischem Boden fortgedauert hat. Nur die drei letzten 
(Nr. 22. 23. 24) sind aus dem durch eine französische Übersetzung 
eingeführten Straparola genommen; man sieht leicht daß sie verän 
dert sind und aus welchem Grunde. Die Manier der Aulnoy kann 
man nicht ungeschickt nennen, im Gegentheil, es zeigt sich eine ge 
wandte, schon geübte Hand; manches ist liebenswürdig erzählt und 
manches naiv und kindlich ausgedrückt, dennoch konnten diese Mär 
chen nicht allgemein Eingang finden, weil sie nur für Kinder des 
höheren Standes zu welchem die Verfasserin gehörte, paßten. Es ist 
zu viel Zier und Kostbarkeit, auch wohl französische Sentimentalität
	        

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