Full text: Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen (3)

Der Mann vom Galgen. 
Eine alte Frau bekommt spät Abends Gäste und hat nichts 
mehr von Speise über, weiß nicht, was sie ihnen kochen soll, geht 
zum Galgen, wo ein Todter hängt, schneidet ihm die Leber aus und 
brät sie den Fremden, welche sie aufessen. 
Um Mitternacht klopfts an der Hütte, die Frau macht auf, es 
ist ein Todter mit kahlem Haupt, ohne Augen und mit einer Wunde 
im Leib. 
"Wo sind deine Haare?' 
"Die hat mir der Wind abgeweht.' 
"Wo sind deine Augen?' 
"Die haben mir die Raben ausgehackt.' 
"Wo baste deine Leber?' 
"Die haft du gefressen.' 
2. 
Die Laus. 
Es war einmal eine Königstochter die war so reinlich, daß es 
gewiß keine reinlichere auf der Welt gab: sie duldete nicht den klein 
sten Schmutz oder Flecken an sich. Doch ihrer Reinlichkeit zum Trotz 
geschah es, daß man zu einer Zeit eine Laus auf ihrem Kopse fand. 
Ein jeder rief "das ist ein großes Wunder, die Laus darf nicht ge- 
tödtet, sie muß mit Milch groß gefüttert werden'; sie ward also 
mit Sorgfalt herabgenvmmen. Von der guten Nahrung wuchs sie
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.