Full text: Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen (3)

229 
anführt, wo es vorkommt. Auch bei Geiler von Kaisersbcrg Euan- 
gelia mit Vßlegung (Straßb. 1317) Bl. 193—196. 
146. 
Die Rübe. 
Schon der äußern Form nach ein altes Märchen, es ist näm 
lich übersetzt aus einem lateinischen Gedicht des Mittelalters und 
zwar nach der in Straßburg vorhandenen Papierhandschrift (MSS* 
Johann. C. 102 aus dem 13 Jahrh.), worin es 392 Zeilen in ele 
gischem Versmaß enthält undRaparius überschrieben ist; eine andere 
gleichzeitige wird zu Wien aufbewahrt (Denis I!. 2. p. 1271. Cod. 
DLX1I. B. 3336). Das Gedicht selbst mag indessen bereits im 14. 
Jahrh, verfaßt sein, ohne Zweifel nach mündlicher Volkssage, viel 
leicht eben aus dem Elsaß, denn die große Rübe gehört zu den 
Volksscherzen, und Fischart in der Vorrede zum Ehzuchtbüchlein 
gedenkt schon der Rüben zu Siraßburg. In dem Volksbuch von dem 
lügenhaften Aufschneider (auch ms Schwedische übersetzt, Lund 
1790) heißt es "als ich nun weiter fortwanderte und nach Straß 
burg kam, sah ich daselbst auf dem Feld eine solch große Rübe stehen 
als ich noch niemals eine gesehen, und ich glaube daß einer mit einem 
Roß in drei langen Sommertagen dieselbe nicht umreiten könne'; 
auch in dem Lustspiel in straßburgischer Mundart der Pfingstmonat 
wird (S. 177) das Straßburger Gemüs gerühmt, "Krunkiph Vier 
tels zentnerschwer und zwölfpfündje RettlDem Märchen selbst fehlt es 
nicht an merkwürdigen Beziehungen. Von dem misrathenen Ver 
such den Glückserwerb zu überbieten, da doch das unschuldige Herz 
fehlt, wird auch in andern Märchen erzählt. Die Erlö'uug aus 
dem Sack ist genau die aus dem Brunneneimer in der Thierfabel, wo 
der Fuchs den dummen Wolf berückt, hinunter ins Himmelreich ein 
zugehen , damit ihn dieser herausziehe. Als sie sich unterwegs in den 
Eimern begegnen, spricht der Fuchs die bekannten spöttischen Worte 
"so gehts in der Welt, der eine aus, der andere nieder? Dieser 
Sack und Eimer sind ferner auch die Tonne, worin der kluge Mann 
von den dummen Bauern ersäuft werten soll (s. Nr. 61 lind Scar- 
pafico bei Straparola), der aber einem vorbeigehenden Hirten weiß 
macht daß wer sich hinein lege zu einer Hochzeit und großen Würbe
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.