Full text: Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen (3)

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: Wen in den Baum gestoßen wird, ist hier eine Lilie, wie in dem 
! Archen von den drei Vügelkens (Nr. 96) ; vergl. die dortigen An- 
i mkungen. Doch finden wir in einem indischen Volksliede einen 
Glichen Glauben und Gebrauch. Der Mann muß kurz nach 
'Um Heirath seine junge schöne Frau verlassen. Er pflanzt ein 
üftvra (Spieanard, Lavendel) in den Garten und heißt sie darauf 
Ätn, so lang sie grüne und blühe, gehe es ihm wohl, welke sie 
Kr und sterbe ab, so sei ihm ein Unglück begegnet; s. Broughton se- 
lectionsfrom the populärpoetryof the Hindoos (Lond. 4814) 107. 
[ M) in dem persischen Tutinameh (Jkan Nr. 4), die Frau gibt dem 
Ann einen Blumenstrauß mit auf den Weg, so lange er sich frisch 
cht, ist sie ihm treu geblieben, welkt er, so hat sie eine Untreue be- 
! MN. 
86. 
Der Fuchs und die Giinfe. 
Aus dem Paderbörnischen. In einer hübschen Fabel bei Burkard 
I Avis Nr. 87 bittet die Gans erst noch einmal nach Herzenslust tan- 
W ju dürfen, wie bei Pröhle Märchen für die Jugend Nr. 3. Auch im 
Dknb. Sachsen wird es erzählt, bei Haltrich Nr. 20. Es ist ein Verier- 
mchm, das man auch statt des gewöhnlicheren vom Schäfer er- 
I Mt, der viel hundert Schafe über einen breiten Fluß setzen will in 
fiirnn kleinen Nachen, wo jedesmal nur ein einziges Platz hat. 
W hat bekanntlich in dem Don Quirote 1. Cap. 20. Cervantes 
mtrefflich angebracht, und Avellaneda in seiner Fortsetzung (Cap. 
21) durch ein ähnliches von Gänsen die über eine schmale Brücke 
chn, überbieten wollen. An sich ist es viel älter, schon Petrus 
] tlfonjt erzählt es in der Disciplina clericalis S. 129, und Schmidt 
fWin den Anmerkungen weitere Nachweisungen. Man findet es in 
dkin altfranzösischen Castoiement (Meon fabliaux 2, 89—91) und in 
Kn Novelle antiebe Nr. 30. Zu vergleichen ist auch ein artiges platt- 
tchches Gedicht in Haupts geitschr. 3, 469—312. Eine ähnliche Sage 
lifgtindemRednerDemades des Aesop (I^uria34. Corayi 78)$u@runb. 
Ach gehört das Sprichwort hierher "wenn derWolf (das ist hier der 
M die Gänse beten lehrt, frißt er sie zum Lehrgeld (Sailer S. 60)', 
Kindermärchen UI.
	        

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