Full text: Die Flucht im Automobil nach Italien und Deutschostafrika

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Kaspar!" Er hatte sich vorher ja Mut angetrunken, er faßte sich ein 
Herz, flüsterte: „O Emma!" und fiel ihr um den Hals. Ehe er aber 
sich auf die Zehen stellen konnte, um sie zu küssen, hatte sie sich los 
gemacht und eilte davon. t 
„Dummer Kerl, du bist zu rasch gewesen," sagte sich Kaspar und, 
wütend auf sich selbst, wollte er nachhause rennen, als er sich noch 
rechtzeitig besann, daß er ja in dem einen Briefe Emmas noch um acht 
in die Taubengasse gewünscht wurde. „Kaspar, sei klug!" sagte er sich, 
„sie hat dich hier nur deshalb stehen lassen, um dich in der Taubengasse 
nur desto mehr zu schnäbeln!" — 
Inzwischen hatte Paul Käthcheu aus dem Bärenkeller nach der 
Taubeugasse geschickt, wo, wie er ihr gesagt hatte, eine alte Freundin 
sie erwarten werde. Erkennungszeichen sei ein Taschentuch in der Hand. 
Wirklich fand Käthchen auch eine Dame mit einem Taschentuch vor, die 
ihr sofort entgegen ging, sich zu ihr neigte und flüsterte: „Also Du, 
Du hübsches Kind!" und sie sofort umarmte und küßte. Käthcheu konnte 
sich zuerst gar nicht fassen und bemerkte schließlich zu ihrem Entsetzen, 
daß die Dame — Philipp Ol war. Mit Mühe riß sie sich los, rannte 
mit ihrem Taschentuch um die Ecke der winklichen Gasse und — gerade 
in Albts offene Arme hinein. 
Albt ließ sie nicht sofort wieder los, und da sie dem, wenn auch 
häßlichen, ihr doch durch seine neunzehn „Werke" imponierenden Künstler 
im Grunde ihres Herzens wirklich ein wenig gut war, ließ sie es sich 
unter Freudentrünen ganz wohl gefallen, daß er sie nicht sogleich davon 
eilen ließ. 
Aufeinmal horten beide um sich her Bravorufen und Gelächter: 
sie waren von den Künstlern umringt, und wurden unter Scherzen 
nach der eiuen Gartentür gedrängt, welche die ganze Gesellschaft einließ. 
Durch den Garten ging man dann sofort unter Ilses Führung ins 
Katzenschloß hinein, wo alsbald vor den großen Kostümschrünken und in 
Stuben und Kammern ein amüsantes Um- und Ankleiden begann. 
Des Kostümfests erste Hadst. 
Jette, die Köchin, war nicht besonders erbaut, weil ihr Schatz 
Wilhelm erst anderntags Urlaub bekam, und sie erklärte während des 
Umkleidens energisch, daß morgen noch einmal gefeiert werden müßte, 
da sie ja ohne ihren Schatz doch eigentlich nichts vom Feste habe. Sie 
hatte sich mit einer Samtrobe der Gnädigen, wie man zu sagen pflegt, 
aufgedonnert angeputzt und gewann für den ersten Abend Paul Straben 
als Günstling, der genau wußte, daß er mit seinem noch dickgeschwollenen 
Auge doch bei keiner der mit erschienenen vier jungen Akademie 
schülerinnen Gnade finden könne. N^en der rotwangigen, in grünem 
Samt gekleideten Jette nahm er sich im bunten Renaissancewams wie 
ein plessierter Landsknechtshauptmann aus. Zu seiner und aller Ver 
wunderung erschien Emma nicht. Gretchen blieb selbstverständlich diesem 
heimlichen Feste fern, aber auch Fritz blieb aus uub man munkelte, daß
	        

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