Full text: Die Flucht im Automobil nach Italien und Deutschostafrika

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man Ols Bude betrat, verließ Ölen gerade ein kleiner Mann in schlechter I 
Kleidung, der beim Weggehen die Ankömmlinge mit mißtrauisch lauernden 
Blicken maß. 
Ernfi erstaunte, auf dem Tische eine große Anzahl noch nicht ge 
sehener Altertümer zu finden. 
„Eben eine neue Sendung von meinem Better in Nom!" rief Ol ,j 
fröhlich. Der Großvater kaufte dann auch ein paar prächtige Exemplare 
der „neuen Sendung". 
Je mehr nun die von ihm festgesetzte Stunde der Abfahrt am Nach- I 
mittag herankam, um so dringender bat er den Enkel, ihn doch nicht 
alleine wieder nach Hause fahren zu lassen. Ernst bestand auf seinen 
Willen, eine Jtalienreise zu unternehmen und Maler zu werden. Trotz 
alles Hin- und Widerredens kam keine Einigung zustande. Das sah 
der Großvater schließlich ein und rüstete sich zur alleinigen Heimkehr. 
Vorher wollte er noch den „Maler Konrad Fei" aufsuchen und die 
Polizeibehörde, die beide zugleich als Erste über Erusts Aufenthaltsort 
dem Vater Auskunft gegeben hatten und sich daher in die ausgesetzten 
fünfhundert Mark teilen sollten. Kurt empfing auf Grund von Kourads 
brieflicher Anweisung die eine Hälfte, die andere erhielt die Morthäuser 
Polizei. Und endlich begleitete Ernst den Großvater gegen Abend an 
die Bahn, wo dieser mit dem nächsten Personenzuge traurig der Heimat j 
zufuhr, nicht ohne vorher dem trotzigen Enkel mitzuteilen, daß ihn nun ! 
sicher der Vater selbst holen würde, sobald er gesund sei. 
Stelldicheins. 
Emma war an diesem Tage besonders aufgeregt, frisierte sich das 
Haar zweimal und probierte ihre besten Kleider an. Am Atzend machte 
sie sich heimlich auf, um pünktlich halb Acht auf dem Pappelwege ein 
zutreffen, wo sie, lute sie arglos glaubte, mit Ernst zusammenkommen 
würde. Sie triumphierte innerlich, wie sie Gretchen von Dasdorfs, 
derenwegen sie von Ernst während seiner Gymnasialzeit und noch vorige 
Woche im Epheuhäuschen abgewiesen war, nun doch besiegt hätte und 
wie sie heute Abend beim Fest im Katzenschlvsse an seiner Seite sich all 
seitig beneidet sehen würde. 
Sie hatte es so eilig, daß sie vor der festgesetzten Zeit auf dem 
Pappelwege eintraf. Ernst war noch nicht da. So ging sie dann auf 
und ab. Zu ihrem Aerger sah sie, daß ihr der bucklige Kaspar entgegen 
kam, sie wandte sich sogleich um und wollte unerkannt ihn vorbeigehen 
lassen, er aber begrüßte sie feierlich mit „Guten Abend, Fräulein Emma!" 
und einer tiefen Verbeugung. Er trug, wie sie sah, heute sehr gewählte 
Kleidung, und die brandrote Genielocke triefte von Haaröl. Als er ihr 
für die zwei Briefe und ihr Kommen dankte, war sie sehr erstaunt, und 
er nicht minder, sobald sie erklärte, weder seinetwegen hierznsein noch 
ihm einen, geschweige zwei Briefe geschrieben zu haben. 
Aber nur einen Augenblick war er verwirrt. „Aha!" dachte er, 
„wie fein sie sich verstellt! Kaspar, sei schlau, laß dich nicht abweisen, 
nachdem sie dir soviel Küsse, wie du willst, versprochen hat! Sei tapfer,
	        

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