Full text: Kultur der Geselligkeit; Intimes Musizieren; Ausklang; Harry de Garmo in memoriam (Band 3, Teil 2)

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^auberv.erk vollbrachte Beschwörung des nach dem alten Schatze bis in 
die schwarze stürmische Nacht hinein Grabenden musikalisch gestaltet, 
dann aber der herrliche verklärende Übergang, aus üer düsteren,in 
schweren Akkorden verdichteten Mollstimmung in eine lichtvollere,ja 
aus dieser Molltonartin das erlösende Bur . "Und ick sah ein Lickt 
von weiten ,Und es kam gleich einem Steine ,hinten aus der fernsten 
Perne ,Eben als es zwölfe schlug " Loewe*s tonmalerische Kunst 
erreicht hier wieder einen Höhepunkt . Zugegeben sei allerdings y dacs 
in der Fortsetzung der Ballade "Holde Augen sah ich blinken "... 
Loewe*e Erfindungskraft etwas nacklässt . Dock kann hier der Vortragenc ||| 
de durch dynamische Abwechslung Manches mildern • Eine von mir ganz 
besonders gern gesungene Ballade war die "wandelnde Glocke ". Auch 
hier ist die Klavierbegleitung überaus reizvoll. Die Unbekümmertheit 
des Kindes kommt im Thema wie in dem Alegrettotempo sehr treffend zur 
Geltung • Insbesondere an der Stelle^wo die Glocke schwerfällig hin 
ter dem erschreckten Kinde das nicht zur-Kirche gehen wollte,feerge 
wackelt kommt.bekommt _ie musikalische geichnung bildnerische Kraft. 
Kaum einen treffenderen musikalischen Ausdruck hätte Loewe in Goethe 's. 
humorvoller Ballade "Gutmann und Gutweib ” finden können . 
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Angesichts der aussergewöknlich umfangreichen und durchaus nicht uamej 
gleichwertigen Loewe*sehen Production —die Breitkopf und Härtel 1 sehe 
Gesamtausgabe des Loewe*sehen Gesangswerke umfasst 17 Bände — kann 
ick in diesem der Rückschau auf meine intimen musikalischen Erinnerur^ 
gen gewidmetenRvahmen ausser den bereits behandelten Goethe Ballader.* 
nur einen begrenzten x eil seiner übrigen Schöpfungen und wie gesagt 
vorzugsweise nur die von mir einst selbst gesungenen würdigend erwäh 
nen . Mein mich selten täuschender Spürsinn führte mich immer zu sei 
nen genialsten Werken . g 
Ebensc wie Schubert vielen seiner zeitgenössischen Östereickiscken Ly- ü 
rikern aus der Biedermeierzeit zur Unsterblichkeit verholten hat , sind k 
äueh viele von den zu Loewe's 2eit lebenden Balladendichter ,die heute 
allenfalls nur noch in der Literaturgeschichte oder in Schullesebuck er ' , 
vor der gänzlichen Vergessenheit bewahrt v»orden wären - wenn sie nicht 
schon ganz verschollen wären - von Loewe zu neuem Leben erweckt worden. 
Neben Lichtergrössen wie Goethe Schiller Uklsnd Byron Herder nenne 
ich hier eine Anzahl der von ihm vertonten Dichter wie Burger ,Claüdiu. iSM 
Schwab,Graf Pia ten, Fürst Schwarzenberg,Freiliggrath,Anastasius Grün , h 
$Läring (Willibald Alexis ), yontune, $ ranz Kugler ,Gruppe , Gicsebrecht !| 
J. No Vägl , Mickiewicz ,Seidl ,Tclvj,vdm Zedlitz ,Chamissc ,Aloys 
Schreiber u. s w. Durch Loewe’s musikalische ^eubelebung haben man 
che Schöpfungen dieser Lichter - wie dies in ähnlicher Weise Sei 
Schubert der A 'sll war - ihre mögliche Zeitlichkeit nicht eingebüsst > 
der sie sonst'wohl verfallen worden wären . Mit sicherem Instinct 
fand Loewe in vielen dieser mehr oder weniger bekannten Balladencich- 
tungen die poetischen Werte wie ihren dramatischen Kern heraus.was ihn 
dann zu deren Vertonung anregte . Die charakteristischen Eigenschaften 
von Loewe’s musikalischer,schon in den vertonten Goethe Balladen zu 
Tage getretenen Factur finden sich auch im grössten x eil seiner übri 
gen Balladenkompositionen. Fast immer fällt die Hauptaufgabe. der Schil 
derung der die Singstimme niemals überwuchernden Klavierbegleitung zu, 
die einmal durch ihre schildernde Kraft und motivische Feinarbeit 
das andere *al durch fast orchestrale Wirkungen zu höchster Bewunderung 
zwingt . Jedenfalls hat bei Loewe die Klavierbegleitung eine viel um 
fassendere Mission zu erfüllen als in rein lyrischen Gesängen -und ihr* 
fast greifbare je plastische ¥ srbildiickung des erzählten Inhalts zeig 4 
am reinsten f wie Loewe es verstand,seine poetische Phantasie in ihr zu 
verdolmetschen . Was man heute - und vielleicht nicht mit Unrecht - 
an manchen Loewe*sehen Balladen bemängelt ,ist eine hin und wieder an 
zutreffende Gefühlsseligkeit wie die nicht allzu seltene modern empfin- 
denden enschen. etwas altmodisch anraut ende Verwendung von Fiorituren 
und Schnörkeleien . Loewe’s naive Freude am Klang verleitete ihn dazu 
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