Full text: Kultur der Geselligkeit; Intimes Musizieren; Ausklang; Harry de Garmo in memoriam (Band 3, Teil 2)

sofort ,dass seine Stimme an Wucht uni Klangfarbe grosse Ähnlichkeit 
kabe mit derjenigen des zu jener Zeit bedeutendsten Heldenbariton Theo 
dor Bertram ,den mein Bruder gut kannte . In gutgemeinter und wohlwol 
lender Absicht setzte aber mein Bruder hinzu »dcss bei seinem grossen 
Stimmaufwand und seiner rein naturalistischen (Tongebung es ihm später 
kaum möglich sein werde ,ganze Partien wie beispielsweise den k’alküren- 
Wotan 
sehen 
ohne dauernde Schädigung seines u rgs.ne durckzuführen »ganz abge- 
davon dass zur hochkünstierischen Durchführung solcker^Partien 
man 
auch die verschiedenen Stärkegrade sicher beherrschen müsse und bei sei- I 
nsr Singweise würde er zu einer feineren Dynamik kaum gelangen können , 
zumal auch sein Organ »wie es imAuganblick verwertet werde,überhaupt scki 
schwerflüssig sei . De Garmo »in seinem schon stark ausgeprägten jugend 
lichen Künstlerstolz sich durch dieses ütteil wohl verletzt fühlend“» 
nahm dasselbe sehr ungnädig auf und kam nun mit dem Geständnis heraus » 
dasa er bereits bei einer Lehrerin in Kassel studiere und mit derselben 
reckt zufrieden sei »worauf ihm mein Bruder kurz erwiderte : "Dann solle 
er bei ihr nur ruhig weiterstudieren . " Kaum hatte d e Garmo nach einem 
kühlen förmlichen Abschied meine Wohnung verlassen ,3a brach das Unge 
witter los .Mein Bruder machte mir in heftigster Weise die bittersten 
VorwurdTe darüber wie ich ihm einen solchen arroganten Menschen vorstel 
len könne. Ich nun »der ick in meinem Idealismus der Kunst dienen woll 
te »war über den kläglichen Ausgang der von mir herbeigeführten Unter 
redung ganz niedergeschmettart und meiner Entdeekerffeude folgte ein 
moralischer Katzeinjcmmer »der dem Idealisten »der seine schönt.ton Illu 
sionen in ein Nichts zerfliessen sieht »nie erspart bleibt . Beinahe 
wäre es zu einem ernsten Bruderzwist gekommen und wenn die Hackt nickt 
eusgebreitet 
uns beiden Beruhigung über den 
bald bei uns ventessen . Wohl 
schwor ich mir zu .nie wieder 
-*ntoeckungsreisen zu gehen ,s:ber leider muss ick mich s elbst 
Ga rmo ”war 
auf ähnli- 
Wortbruchee zeihen 
_ , . ,denn aus Kessel führte ich meinem Brüte*, in spätexen 
ähren *,wei ko.chbegabte icnöre zu »die bereits beute als Heldentenöre an 
ersten deutschen Bühnen tätig sind und baldin erster Heike stehen wer 
den • Und - merkwürdige Fügung des Zufalls - den einen ebenfalls aus 
dem gleichen Hause in cer Auolfstrasse "Zum preussieeben Hofe ",wo ick 
c-.e Ga rmo entdeckte und wo dieser !£enor auek in der würdigen Frl Frank- 
furtk seine quasi Vicemutter fand. So wurde dieses schlickte Haus mit 
‘ Niststätte 
*rave war di«* , 
Ihr sei daher hier die 
berühmtwer- 
Klucke 
üei' Gastwirtschaft "zum preusssischen Kofe "zu; 
dender Sänger und Frl Frankfurt» die Gute die 
die diese Sängerkücken behütete und betreute 
ses papierne Denkmal gesetzt ! 
Im darauffolgenden Winter traf ich nochmals de Gurmo im fheaterfoyer 
wechselte mit ikm einige konventionelle Redensarten »schenkte ihm aber 
sonst keine Beachtung mehr . Im Sommer »als ick wieder meinem Bru ler 
in Wi^kelmskÖhe zum Besuch erwartete »wurde ick eines ^ages auf der 
Kaiserstrasse angerufen und als ich mich umwenclete ,dtand de G^ rmo vor 
Dur .In durchaus bescheidener Weis« bat er mich nochmals eine Zusam 
men Kuna t mit meinem Bruder zu vermitteln »was ick jedock nach den ge 
machten Erfahrungen sofort ableknte . Ick erzählte ihm was mir sein 
letzter besuch eingetragen habe »dass.ick mich sein thalben beinahe 
mit memem Bruder entzweit habe und dass ick keine Lust verspüre Ähn 
liches nochmals zu erleben . Nun gab de G^rmo ohne Weiteres zu »dass er 
nicht recht gehandelt habeund dass ihm dies inzwischen zum Bewusstsein 
gekommen sei »denn was mein Bruder ihm vorausgesagt kabe .sei nun tat- 
sachliCÄ eingetreten . Bei seiner Lehrerin,die sehr tüchtig im Einstu- 
dieren von rartien sei und sich in dieser Hinsicht grosse Mühe mit ihm 
gäbe ,könne er aber nicht die Stimmkultur erwerben ,7/Ae sie ihm nach den 
ihre besänftigenden Schwingen über die erhitzten Gemüter 
keftte »wäre sicherlich nach dieser heftigen Auseinandersetzung eine Tren 
nung zwischen uns Brüder erfolgt und dies alles um den allerdings etwas 
arrogant «ausgetretenen Kunsteleven • So 4 rat cber am nächsten Tags bei 
Fall ein und die Episode "De
	        

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