Full text: Das Kasseler Theater- und Musikleben im Wandel der Zeiten; Im Banne der bildenden Kunst (Band 3, Teil 1)

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Geschmack gemäss hauptsächlich ergeben war • Aber trotzdem veran 
staltete sein Hofkapellrieister Blangini Hofkonzerte und pf&egte 
- und zwar ganz im Sinne Jdröme*s — die Kirchenmusik . Übrigens 
war Jdröae Liebhaber des “aldhorns und Blangini musste seine schön 
sten Nocturnes für zwei Waldhöranr übertragen ,zuaal in den beiden 
berühmten Waldhornisten > den Brüdern Schunke,die Kasseler Kapelle 
hierfür Interpreten besass »die hinsichtlich ihrer Virtuosität in 
Deutschland kaum ihresgleichen hatten • 
Aus Anlass des Leichenbegängnisses für den am Weihnachtsabend 1811 
von dem Schmied"Besage ia Marstall auf der ‘Rellevue ermordeten Ge 
neral Morio gab Jdrörae dem Hofkapellaeister Blangini den Befehl »in 
der Kirche ein feierliches Requiem aufzuführen. Blangini wählte zu 
diesem Zwecke Mozart*s Requiem »das die Kasselaner bei dieser Gele 
genheit überhaupt zum ersten Male hörten . Bas fehldnde "Libera" 
soll Blangini in einer A *acht ganz im Stile Mozart*s für 4 Stimmen 
mit Orchester komponiert haben und war nicht wenig stolz auf den 
Erfolg »den er mit der Aufführung des berühmten durch ihn ergänzten 
Mozart*schen Schöpfung erzielt hatte . Bie Kirchenkonzerte unter 
Blangini müssen allerdings auf hoher Stufe gestanden haben »denn 
sie sollen alles übertroffem haben »was die Kasselaner in dieser 
Art bis dahin gehört hatten . Im Jahre 18.11 brachte auch Blangini 
Händel*s tMessias zur Aufführung . Dieses monumentale Werk »das in 
England läng4$zu den populärsten und am häufigsten aufgeführten Mu 
sikschöpfungen gehörte »war für viele der ausgezeichneten Musikken^ 
ner »die sich damals unter den in Kassel versammelten Franzosen , 
Italienern und Deutsdhen befanden »völlig neu und erregte deren 
Bewunderung . In heller Begeisterung über das eben Gehörte erscholl 
am Ende der Aufführung der Ruf Ceää ne pourrait -il pas recommen- 
cer encore ? "(Könnte man dies nicht gleich Wiederbeginnen ). In 
Blangini*s Absicht lag es auch zum Benefiz der drehestermitglieder 
regelmässige Konzerte der Kgl Kapelle zu veranstalten »die dann 
die Vorläufer der späteren erst unter Spohr regelmässig eingeführ 
ten Abonnementskonzerte gewesen wären • Aber sehr viele solcher Kon 
zertwerden wohl kaum noch zustande gekommen sein »da ja die Tage 
des einstigen Königreiches Westfalen ohnedies schon gezählt waren. 
Jedenfalls hatte Blangini für das erste dieser Konzerte eine da 
mals ganz zeitgemässe Kantate "Werth/'er "für grosses Orchester 
komponiert . Werther *s Lotte »Charlotte Kestner »die zu^jgner Zeit 
in Hannover lebte »soll extra die Reise nach Kassel gemacht haben 
um sich die Kantate anzuhären . 
lass Kassel während des 35 jährigen Wirkens eines Spohr als Hofka 
pellmeisters (1822 -1857) zu einem wirklichen musikalischen Zentrum 
innerhalb Deutschland * s wurde »wäre angesichts der bedeutenden » 
künstlerisch begabten Persönlichkeit Spohr*s durchaus verständlich 
und soweit die Opernmusik in Betracht kam »konnte man mit vollem 
Recht von einer Glanzperiode »die Kassel in jener ^eit »wenigstens 
während des ersten Jahrzehntes erlebt«, sprechen • Selbstverständ 
lich waren Spohr*® Bemühungen auch darauf gerichtet »nach und nach * 
gleichfalls das Kasseler Konzertleben zu grösserer Entfaltung zu 
bringen . Indes die Schwierigkeiten »die ihm seitens des als Mitrege 
gent damals maßgebenden Kurprinzen »dem späteren Kurfürsten »berei 
tet wurden »verleideten ihm die Arbeit und Mühe »die er gern zur 
Veranstaltung grosser Konzertaufführungen aufwendete • Manches 
Mal brachten die unberechenbaren Launen des Kurfürsten Spohr zur 
Verzweiflung und häufig genug stand der^Ln jener Zeit hoch bedeuten 
de Mann,von dessen Weltruf schliesslich auch ein Abglanz auf Kas 
sel fiel »vor dem Entschlüsse Kassel »das ihm anderseits zur zwei 
ten Heimat geworden war »zu verlassen • Sein Freund und Orchester - 
Kollege Moritz Hauptmann, der spätere Leipziger Thomaskantor »selbst
	        

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