Full text: Das Kasseler Theater- und Musikleben im Wandel der Zeiten; Im Banne der bildenden Kunst (Band 3, Teil 1)

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los war -^ekker's Wollen auf hohe Ziele gerichtet und dank seiner 
Initiative konnte das Kasseler Publikum die Bekanntschaft 
eher musikalischen Schöpfung der neueren Zeit machen »die 
ihn sonst kaum in Kassel ans Licht getreten wäre . Aber 
ppernwerke holte er aus der Versenkung hervor und hauchte 
stilvolle Wiedergabe neues "^eben ein . Was eigentlich sofort für 
ker's Objektivität einnehmen musste ,das war sein Eintreten für Hans 
mit man- 
wohl ohne 
auch ältest 
ihnen durch 
L«k- 
Pfitzner ,mit dem er einst 
te . Von ihm liess er bald 
rieh " auf führen »ein Werk 
deutung sich auf der Bühne 
sehr wenig ,selbst an 
in sehr heftiger Pressfehde gestanden hh$ 
nach seinem Dienstantritt den”Armen Hein- 
,dass trotz seiner hohen musikalischen Be- 
nie recht einbärrgern konnte und daher auch 
Bühnen »gegeben wurde . Mir war das 
grosseren 
Glück beschieden »eine Aufführung dieses Werkes erst in der darauffol^ 
genden Saison,unter der das Orchester und die Solisten inspirierenden 
Leitung des Komponisten zu geniessen . Len armen Heinrich sang da 
mals sehr eindrucksvoll^Martel . Ich war sofort berauscht von der herr 
liehen Musik »die trotz.ihrer unverkennbaren Abhängigkeit von Wagner 
doch eigne Wege geht und sogar die Wagner 'sehe Tonsprache in interes 
santer Weise weiterentwickelt . Die beschichte des armen Heinrich ist 
nicht nach Jederamann*s Jeschmack und wirkt daher auch als Stoff eig 
nes Dramas ziemlich qualvoll.Im reinsten Idealismus deutscher Kunst 
wurzelt dieses Musikdrama ; es ist i'euf dem Erlösungsgedanken »wie er 
sich in der frühwagnerischen ^eit vorfindet , aufgebxaut . Lie Agnes» 
die sich für den dahinsiechenden Melden opfern will,ist ohne Wagner*s 
Senta kaum denkbar . Nach den von SchmerzenskMgen des Lahinsiechender 
erfüllten ersten Akte hofft man auf das Eintreten einiger verklären 
der Lichtpunkte im zweiten Akte »aber auch dieser ist grau in grau 
gemalt und wie sehr man auch die tondic.fcterische Phantasie »die sich 
in der grossen Erzählung Dietrich*s von seinem Ritt über die Alpen 
und in Hilde*s mit grosser Ausdruckskraft komponierten Arie ausprägt, 
bewundert »erweckt doch das trübe Milieu nur qualvplle Empfindungen » 
Erst der letzte Akte ganz am Schluiss »als der arme Heinrich dos Opfer 
der jungen Agnes nicht annehmen mag »ruft eine einigermaßen erlösen 
de Wirkung hervor . 
Eine andere künstlerische Tat Bekker*s war die. Neuwrweckung von Gluck’ 
s Armida »wofür er sich die damals in Frankfurt a/m sehr gefeierte 
Sutter - Kottlar »die für diesen Jesangsstil besonders befähigt war, 
verschrieb o 
Ein ausgesprochenes Novum für Kassel bildete aber die von Paul Bekker 
kultivierte ^ammeroper »für die er das französische »italienische und 
deutsche Singspiel »meist aus dem löten Jahrhundert »das man gemein 
hin nur noch als Studienobject für Musikhistoriker ansah »von dem Jahq_ 
hundertst&ube »der schon auf ihm ruhte »befreite . Lie liebevolle Ein 
studierung »die er diesen Terken angedeihen liess »erbrachte dann den 
Beweis für die unverwüstliche Lebenskraft »die den fest vergessenen 
Schöpfungen noch innewohnte .Las Kassler Publikum nahm diesen fesseln 
den historischen Streifzug durch die Anfänge der Oper verständnisvoll 
und dankbar,ja teiweise enthusiastisch auf. Auf dem Spielplan erschie 
nen in den beiden Jahren der Bekker'sehen Aera vöh dieser ^attung 
unter Anderen : Lie,heimliche Ehe v Von Cimarosa der, ? Dorfbarbier 'von 
Schenck »Boctor und Apotheker von Jittersdorf Jia serva padrona 'und 
der,.Musikmeister'von Pergolese die „beiden Geizigen" von Gretry der 
(/ Bärenjäger und das.Milchmädchen yon Lunis der,Kalif von Bagdad'von 
Bpieldieu »Offenbach*s Einakter "Urlaub mach dem Zapfenstxeich M Auc-h 
moderne Opern kleineren Stils wie Korngold * s ,Ler Ring des Polykrates 
Busoni ’ s „Turandot und ,,Arlecchino* Janacek* s *Jenufa' Strawinski * s die 
beschichte vom Soldaten*'wie grössere Schöpfungen def neueren ^eit »die 
dnderswo längst viele Aufführungen erlebt hatten »kamen nun auch in 
Kassel heraus wie Beispielsweise Lebussy's "Pellets und ^elisande w 
Schreker's Die Sezeichneten und, der Ferne KÜkng Julius Wesmann”Sch , wafi
	        

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