Full text: Das Kasseler Theater- und Musikleben im Wandel der Zeiten; Im Banne der bildenden Kunst (Band 3, Teil 1)

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künstlerisch© Einfälle »wenn mit <hr tfberraschungswirkungen erzielt 
werden sollen . 
Während des Krieges und auch in der Nachkriegszeit wurden auch häu 
fig Festspielvorstellungen mit prominenten Gästen veranstaltet . 
I#ei solchen ^elegenheiten sah und hörte man berühmte Bühnenkünstler, 
die in früheren Jahren Kassel kaum berührten. Einen ganz besonders 
starken Eindruck hinterliess bei mir das Gastspiel des ^ariton For- 
sell's als Don Juan,dessen hervorragende ^eistung nicht nur stark 
an diejenige DJAndrade f -s erinnerte,sondern durchaus an sie hersn- 
reichte . Die Pestspielaufführungen der «Jahre 1919 ,192o und 1922 
sind mir ganz besonders in Erinnerung geblieben . Im Jahre 1919 wäre] 
es mustergültige Aufführungen von Tristan und Isolde ,Fidelio ,Rosen 
kavalier und Meistersinger ,im Jahre 192o bildete Wagner*s Ring der" 
Nibelungen den ^ern der Fettaufführungen . Rheingold und Walküre un 
ter Dr Zulauf »Siegfried und Götterdämmerung unter der temperament 
vollen und stets geistvollen Stabführung von Robert Laugs .Neben 
den Kasselern Künstlern Windgassen (Siegmund ) und Wuzel (Günther ) 
waren bei den Aufführungen die damals besten deutschen Vertreter 
für die tragenden Partien tätig . M elanie Kurt (die -örünhilden ) 
Braun (Wotan und Wanderer )Vogelstrom (Siegfried )Hensel (Loge ) 
Ä arin BranzellvPricka ) Seydel ( Mime ) ^ador (Alberich) Giess (He 
gen ) . In den Festspielen 1922 waren-ebenfalls wieder die prominent 
testenx deutschen Künstler für den von Dr Zulauf betreuten Pareival 
und für die Meistersinger wie P'ristan und Isolde »die Robert Laugs 
anvertraut waren »herangezogen worden .Ritter (Parsival Tristan ) 
flsschk« (Hans Sachs »Kurvenal ) Melanie Kurt (Kundry) Bertha Morena 
(Isolde ) Robert Burg (Amfortas ) -^raun fgurnemanz »Pogner ^arke) 
Elisabeth Äethberg (Eva) Karin Branzell (Brangäne)Robert Hutt (Wal- 
ter Stolzing ) Josef Geis (^eckmesser ) . Auch in späteren ^ahren 
wiederholten sich ständig diese sommerlichen Testspiele . 
Unter dem Regime Sieg »der begreiflicherweise sich mehr f$r das 
Schauspiel einsetzte »fand aber dessenungeachtet die Oper »die durch 
laugs und Zulauf betreut wurde »keine v ernachläß3igung »ja bei der 
temperamentvollen und durchgeistigten Interpretation »die die gros 
sen Wagner ’schen Musikdramen unter der Laugs'schen Stabführung er 
fuhren »konnte man manche eindrucksvolle Aufführung grossen Stils 
erleben . 
Um das ^ahr« 1925 schied der Intendant kalter>Sieg wieder aus und 
mit ihm trat auch Pape »der als Schauspieldir^ctor an das Münchener 
Staatstheater ging »aus dem ^erbende der Kasseler Bühne . Nun sollte 
nach den Absichten der maßgebenden berliner Stellen für das Kasseler 
Theater eine neue verheissungsvolle Aera beginnen »denn für den In 
tendantenposten hatte man einen Mann ausersehen »der als geistvoller 
Musikschriftsteller in Deutschland einen gro$sei| Ruf genöes. Es war 
Faul Belker »dem man noch als musikalischen/reirat den überaus be 
gabten »jugendlichen Komponisten Krenek bergab. Wie man auf der ei 
nen Seite an die Berufung -^ekker*sV die grössten Erwartungen knüpfte 
wurden angesichts der Tatsache »dass Bekker jede Bühnenpraxis fehl 
te »bald auf der anderen Seite Bedenken lautJ Paul\Bekker selbst , 
dem auch daran gelegen^war »das Schauspiel neu zu beleben »verpflicht 
täte bald nach seiner Berufung als Intendant für das Schauspiel den" 
Regisseur Johannes Traiow eis Spielleiter . Auch el& Dichter und 
geistvoller Journalist ging Tralow ein guter R\if fcoräms # Ein Expe 
riment blieb die Berufifing Bekker*s auf alle F|Üe »aber auch seine 
ärgsten Gegner ,an denen es ihm sicherlich nicht, gefehlt haben mag , 
zumal er auch als ijWsch nicht immer Sympathien^ a^u erringen verstand, 
werden kaum leugnen" können,dass doch unter seineij Aegide ein frisch©] 
Windzug in den Musentempel am Friedrichsplatze hineinwehte .Zweifel-
	        

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