Full text: Das Kasseler Theater- und Musikleben im Wandel der Zeiten; Im Banne der bildenden Kunst (Band 3, Teil 1)

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eine respectable Höhe seiner künstlerischen Leistungen einhielt ,war dho 
doch die Glanzperiode des Theaters während des vergangenen Jahrzehntes 
- wie man allgemein empfand - entgültig vorüber . Das Personal wechsel 
te häufig . Kassel wurde eine sogenannte Sprungbrettbühne für aufstreben- 
de verheissungsvolle Talente ,die aber immer wieder nach kurzer Tätig 
keit Kassel ,verlie3sen .Auch berühmte Gäste kamen nun auch seltener nach 
Ka s s e 1 . 
Am 16 April 1834 erlebte man in Kassel die Erstaufführung von Goethe*s 
Paustfund im Jahre 1838 wurde Spohr’s Oper Paust zu Wien uraufgeführt . 
Nach einander kamen auch in Kassel die grossen Opernschöpfungen der 
Italiener ,Franzosen und Deutschen »die in jenen Jahrzehnten entstanden 
zur Aufführung ,im Jahre 1836 Halevy’s Jüdin ,Auber*s die Stumme von 
Portici »Bellini’s die Puritaner . Im selben Jahre trat auch der Tenor 
Johann Derska »ein Böhme , in das Kasseler Ensemble »dem er ziemlich ■ j 
lange - etwa 12 Jahre - angehören sollte ,ein . Diesem Sänger voristatt- 
licher Figur wurde eine Stimme von seltenem Wohlklang nachgesagt . Da 
bei war seine Darstellung bravurös .Andere x enöre’,die spä ter am Theater 
wirkten ,waren Sontheim und Schloss,ersteret ein wahrer Stimmatl t, nur 
als Saisongast . Als jFrimadonnerijwaren inden 3o er und 4o er Jahren Emi 
lie Walter und Louise Meyer tätig »die letztere später unter dem Namen 
^eyer - Dustmannisehr berühmt geworden als sie an der Wiener Hofoper wirk 
te . Im Jahre 18*39 trat als Bariton Bieberhofer sein Engagement an , des- 
den Don Juan als eine Glanzleistung gerühmt wurde . Der Initiative Spohp_ 
war es in erster Linie zu danken ,dass die überhaupt zweite Aufführung 
des Fliegenden Holländer von Richard Wagner unter Spohr’s B e j_tungg am 
5 Juni 1843 in Kassel stattfand . Dieselbe soll so hervorragend gewesen 
sein (Bieberhofer sang den Holländer ) ,dass Wagner später die Kasseler 
Eimichtung dem Hoftheater in 'Weimar empfehlen konnte . Für jene Zeit, 
wo der Bühnenapparat noch nicht solche technischen Wunderdinge ,wie es 
heutzutage der Fall ist ,bewältigen konnte ,bot die Inszenierung des 
fliegenden Holländerin bühnentechnischer Hinsicht ganz besondere Schwie__ 
rigkeiten , die man aber anscheinend in Kassel nach einer Notiz in den 
Signalen einer Leipziger Zeitschrift , leicht überwand ,denn es hiess 
darin : ... " In Kassel wurde Wagner ’s neue Oper der fliegende Hollän 
der gegeben . Zwei imposante Seeschiffe »mit bewunderungswürdiger Leich 
tigkeit über die Bühne segelnd »erregten grossen Enthusiasmus . ".... 
Angesichts der vielen Anfeindungen ,die Wagner's Musik erfuhr ,war es 
eine Spohr ganz besonders ehrende Tat »dass er damals schon so fördernd 
für den argumkäjapften Neutöner eintrat . Der Brief »den Richard Wagner 
an Louis Spohr unterm 1o Juni 1843 schrieb »strömt über von Äusserungen 
des Lankes und spiegelt die hohe Achtung wider.die Wagner »der sich 
mit "Ihr dankbar ergebener Schüler " unterschrieb »Spohr entgegenbracht 
Erst im °ahre 1846 ist gpohr im Hause des ProfessorsBrockhaus und bei ' 
M endels*öhn in Leipzig mit Richard Wagner persönlich zusammengetroffen 
Bei Mendelssohn wurden zwei Spohr’sehe Quartette zum Vortrag gebracht . 
lass die beiden bedeutenden Musiker bei diesem Zusammensein anregende 
Stunden verlebten »kann man sich leicht vorstellen . 
Von Kassel aus nahm auch Marie Seebach »die 185o dahin als Liebhaberin 
und Soubrette kam »ihren künstlerischen Aufstieg »der sie zuerst nach 
Wien und später nach L er xin führte »wo sie als Stern erster Grösse^ ge 
feiert wurde . Nach ihren Tagebucheintragungen weilte sie gern in Kas 
sel' s Mauern und verkehrte auch viel am Hofe »wo sie sehr beliebt war • 
Seine erste Lorbeeren heimste der später sehr berühmt gewordene Wiener 
Burgschauspieler Ludwig Gabilion am Kasseler Hoftheater ein »das seit 
1846 unter Leitung des Intendanten von ^eeringen stand . Dieser hat es 
verstanden \junge vielversprechende Talente der Kasseler Bühne zuzufüh 
ren . Zu letzteren gehörte auch der später zu grossem Rufe gelangte Te* 
nor Theodor Wachtel »der berühmte " Postillon von Lonjumeau ” . Lange 
Jahre (1837-45 ) war auch die Mutter der Lilly und Marie.Lehmann Frau 
maria Therese-Low als hervorragende und gefeierte Sängerin am Hoftnea- 
ier tätig . Zu ihren besten Partien gehörten die Norme,^essonda »die K
	        

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